Schneewittchen - Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz … Foto: Jörg Lantelme – stock.adobe.com
Foto: Jörg Lantelme – stock.adobe.com

Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz … Schneewittchendorf Bergfreiheit

Schneewittchen ist wohl eine der bekanntesten Geschichten der Gebrüder Grimm, und sie hat – möglicherweise – ihren Ursprung im nordhessischen Waldeck-Frankenberg.

Zugegeben, so ganz genau weiß man es nicht, und es gibt einige Orte, die die Entstehungsgeschichte für sich beanspruchen. Doch das kleine Bergmannsdörfchen Bergfreiheit und seine 350 Einwohner können sich mit gutem Grund „Schneewittchendorf“ nennen, denn es spricht einiges für eine historische Verbindung zu der 1812 publizierten Erzählung in den berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm. Herausgefunden hat dies der heimatkundige Forscher Eckhard Sander, der sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hat und darauf eins und eins zusammenzählte.

Margaretha von Waldeck

Ein überaus hübsches Mädchen, welches ohne ihre leibliche Mutter aufwachsen muss. Eine vermeintlich missgünstige Stiefmutter und ein viel zu früher Tod mit 21 Jahren. Der Verdacht: Sie wurde vergiftet.

Man könnte sagen, dass die Lebensgeschichte der 1533 geborenen Margaretha von Waldeck auf den ersten Blick an die Erzählung von Schneewittchen erinnert. Aufgewachsen im Bad Wildunger Schloss Friedrichstein – das in seiner heutigen Form kaum noch an die damalige Burg erinnert, dürfte sie als Grafentochter durchaus eine gewisse Präsenz in der Region besessen haben.

Bergfreiheit & das Bergwerk

Doch hier ist nicht Schluss, denn das Bergwerk und die damit verbundene Siedlung stehen eng mit Margarethas Bruder Samuel von Waldeck in Verbindung. So nahm er im Jahr 1552 den dortigen Bergbau auf und gestattete im Jahr 1561 den Bergleuten sogenannte „Bergfreiheiten“, also Freiheiten, die sie als Belohnung für ihre harte Arbeit genossen. Dieses Edikt war nicht nur namensgebend, sondern wahrscheinlich auch ausschlaggebend für die Gründung der Siedlung. Bis heute gilt Samuel von Waldeck als Gründer von Bergfreiheit.

Die ehemalige Kupfermine ist heute das Besucherbergwerk „Bertsch“, das unter normalen Umständen besichtigt werden kann – leider ist es aufgrund von Corona derzeit geschlossen.

Wer sich trotzdem ein wenig mit der Kultur- und Bergbaugeschichte rund um Bergfreiheit beschäftigen möchte, kann dies im örtlichen Bergamt-Museum tun, welches bis Ende Oktober von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet hat.
Darüber hinaus informiert ein 5 km langer Lehrpfad an 17 Stationen über Geologie, Pflanzen und die kulturelle Bedeutung für die Kellerwald-Region. Mehr dazu unter www.geopark-grenzwelten.de

Wer waren die sieben Zwerge?

Doch auch der Ort selbst verrät viel über die Bergbaugeschichte und gibt Aufschluss darüber, wie die sieben Zwerge Einzug in die Geschichte von Schneewittchen genommen haben könnten.

Kinderarbeit war zur damaligen Zeit üblich, und besonders im Bergbau waren sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße sehr gefragt. Auch in Bergfreiheit ist Kinderarbeit nachweisbar. Die schwere körperliche Arbeit ließ die Kinder vorzeitig altern, und wenn sie mit ihren vor Steinschlag schützenden Filzkappen abends aus dem Bergwerk traten, könnten sie durchaus wie Zwerge gewirkt haben.

Ein weiterer historischer Hinweis und vielleicht reales Vorbild für das „Zwergenhaus“ sind die Einraumhäuser, von denen bis heute einige in der Region erhalten geblieben sind. Mit nur einem Zimmer dienten sie damals mehreren Bergleuten als Unterkunft.

Erlebniswelt Schneewittchenhaus

Wie man sich diese Wohngemeinschaft vorstellen muss, erfährt man am besten im „Schneewittchenhaus“ im Ortskern von Bergfreiheit. Hier wurde gemeinsam mit dem Stadtmarketing Bad Wildungen ein Erlebniskonzept verwirklicht, welches Märchen und Realität vereint. Besonders für Kinder ist das Schneewittchenhaus ein echtes Highlight, aber auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten.

Das Schneewittchenhaus ist bis Ende Oktober Mittwoch bis Sonntag von 15-17 Uhr geöffnet. Ab November kann es nur noch am Wochenende besucht werden. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3,- Euro, Kinder bis 11 Jahre zahlen 1,50 Euro. Auch Gruppen sind zu einem ermäßigten Preis von 2,50 Euro pro Person und mit vorheriger Terminvereinbarung herzlich willkommen. Darüber hinaus können sich Besucher:innen jeden zweiten Sonntag im Monat über Schneewittchen und die sieben Zwerge als Gastgeber freuen.

Funkelnde Steine und leckeres Essen

Heute ist Bergfreiheit nicht mehr maßgeblich für seinen aktiven Bergbau bekannt. Trotzdem gibt es jemanden, der aktive Bergrechte besitzt: die Edelsteinschleiferei Lange. Seit den 1960er Jahren ist der Betrieb in Bergfreiheit ansässig und bietet Besucher:innen ein ganz besonderes Erlebnis. Wenn du mehr zur Edelstein-Schleiferei Lang erfahren möchtest, findest du unseren Erlebnisbericht auf Seite 38.

Nach einem spannenden und erlebnisreichen Vormittag lädt dann das idyllisch gelegene Restaurant & Edelstein-Café Hardtmühle am Ortsrand zur Einkehr ein. Auch das Landgasthaus zum Urftal der Familie Brockmeyer im Ortskern von Bergfreiheit bietet ein reiches Angebot an leckeren und regionalen Speisen.

Ausgangsort für tolle Wanderungen und Unternehmungen

Wer sich für diesen besonderen Ort gleich mehrere Tage Zeit nehmen will, findet in Bergfreiheit gleich eine ganze Reihe von Übernachtungsmöglichkeiten. Vor allem eignet sich Bergfreiheit außergewöhnlich gut dafür, den Kellerwald fußläufig zu erkunden. Ein spannendes Ziel ist zum Beispiel der sogenannte „Kellerwaldturm“, der einen fantastischen Blick über die ganze Gegend ermöglicht (siehe hier). Viele Wanderrouten starten direkt in Bergfreiheit oder in den umliegenden Orten, und auch ein Einstieg auf den 156 km langen „Kellerwaldsteig“ ist von hier aus möglich.

Darf‘s noch etwas MÄR sein?

Du möchtest mehr über Schneewittchen, das Schneewittchenhaus und das Dorf Bergfreiheit erfahren? Dann besuche www.bergfreiheit.de!

Wusstest du, dass Bergfreiheit einer von vielen Orten im SAGENhaften Nordhessen ist?
Auf der Seite www.grimmheimat.de können sich Besucher über die verschiedenen Märchenorte informieren. Ein Highlight ist dabei das Dornröschenschloss Sababurg mit dem angrenzenden Tierpark im Naturpark Reinhardswald. Bei GRIMMigem Wetter ist allerdings auch ein Besuch in der Grimmwelt in der documenta-Stadt Kassel zu empfehlen. Mehr erfährst unter www.grimmwelt.de!

Wer sich auf die Spuren von Schneewittchens potenziellem Vorbild – Margaretha von Waldeck – begeben will, sollte hingegen das nahegelegene Bad Wildungen besuchen, denn im dortigen Schloss Friedrichstein wuchs die junge Grafentochter auf. Mehr zur Kurstadt Bad Wildungen auf www.bad-wildungen.de!

Wie viel Wahrheit steckt im Märchen?

Der sprichwörtliche Funken Wahrheit ist wohl in jeder Geschichte zu finden. Erzählungen wurden früher vor allem mündlich weitergegeben und hatten oft einen erzieherischen oder warnenden Charakter. Es ist also zu vermuten, dass es sich nicht um gänzlich erfundene Geschichten handelte, sondern dass sie Bezug auf reale Situationen oder Ereignisse nahmen.

Die Gebrüder Grimm begannen Anfang des 19. Jahrhunderts damit, volkstümliche Lieder und Geschichten zu sammeln und aufzuschreiben. Viele dieser Geschichten wurden ihnen durch Personen aus ihrem großen Netzwerk zugetragen.

Oftmals gab es in unterschiedlichen Regionen leicht abgewandelte Versionen einer Geschichte. Selbst heute liest man manchmal ein Grimm‘sches Märchen und hat das Gefühl, dass die Geschichte doch eigentlich anders war. Mancherorts hat aber auch die standardisierte Grimm‘sche Form die ursprünglichen Erzählungen verdrängt. Es ist also oft sehr schwer, eine historische Verbindung nachzuweisen. Im Fall von Bergfreiheit scheint es jedoch, als wäre es gelungen, schlüssige Zusammenhänge zutage zu fördern.

 

herbst 2021 schneewittchen qr pngYouTube-Video:
Margaretha und Schneewittchen – Zwei Seiten einer Geschichte

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