Eine Reise durch Battenbergs stille Wälder
Trotz der feuchten Witterung in dieser Jahreszeit ist der Untergrund fest. Sanft weht ein kalter, toter Wind durch die Bäume, um ihnen noch die letzten vertrockneten Blätter mit einem leisen Rascheln zu rauben. Das Laub auf dem Weg sorgt für eine monotone, ständige Geräuschkulisse. Vertrocknet bedeckt es den schlafenden Wald. So friedlich. Jemand hält die Zeit an. Der Wald scheint erstarrt zu sein in dieser Jahreszeit. Die Lage des Ortes Battenberg ist hoch gelegen, wodurch das Klima hart ist.
Auf zur Drachenflugtour Battenberg
Vielleicht ist es ein Geheimtipp: Radfahren in und um Battenberg. Mit dem Auto fahren wir dorthin und parken für unsere Radtour auf dem Parkplatz am Friedhof. Ob sich die Anfahrt lohnt? Später werden wir feststellen: Auf jeden Fall! Aber jetzt geht es erstmal los. Wir schwingen uns auf unsere Räder und fahren das erste Stück durch den Ort.
Wir haben uns für die Drachenflugtour entschieden. Der Weg ist mit einer Länge von nur 14 km leicht für die ganze Familie zu schaffen. Zunächst müssen wir aber erstmal bergauf. Der Anstieg ist anfangs etwas steiler, bald mäßigt sich aber die Steigung. Ungefähr die Hälfte der Strecke geht es bergauf. Allerdings ist die Steigung moderat und führt uns an vielen interessanten Stellen vorbei. Der Weg ist breit und fest geschottert, sodass er leicht befahrbar ist.
edlake-Tipp
Es geht hoch hinaus. Besonders im Winter weht auf den Bergen ein eisiger Wind. Zieht euch also warm an und nehmt euch ein Heißgetränk mit. Ihr werdet dankbar sein.
Die Drachenfliegerroute findest du unter: www.komoot.com
Bildende Kunst als Weggefährten
Auf unserer Route durch den Wald kreuzen wir recht bald den Kunstweg Battenberg. Dieser wurde 2014 begonnen und soll noch weiter vom Kunstverein Battenberg ausgebaut werden. Zurzeit findest du 23 Kunstwerke unterschiedlicher Künstler auf dem Kunstweg. Diesen streifen wir allerdings nur und treffen lediglich auf drei Kunstwerke.
Das erste interessante Werk entdecken wir an der ersten Kreuzung. Es handelt sich um eine Installation der Künstlerin Marita Kratz. In ihrem Werk „Stitches in Time“ versucht sie, die spirituelle Energie des Zisterzienserklosters Gravenhorst zu fassen. Hier wurde feinste Handarbeit erschaffen. Heute lädt sie Besucher ein, einige Reihen an einem gemeinsamen Häkel- oder Strickobjekt weiterzuführen. So entsteht ein gemeinsames Kunstwerk unterschiedlicher Menschen. Für dieses Kunstwerk häkelten Kunstinteressierte gemeinsam an zwölf Häkelkreisen. Hier im Wald versucht die Künstlerin die Energie in den Wald und die Natur zu bringen. Behütet zwischen zwei transparenten Scheiben schlummert sie im großen Kreis. Ein Denkmal der Stille und Ewigkeit.
Weiter bergauf
Unser Weg biegt an dieser Stelle rechts ab und es geht weiter bergauf. Er ist noch gut befestigt, sodass wir trotz der leichten Steigung gut und zügig fahren. Wir sehen rechts und links immer wieder Hochsitze. Der Weg ist gut und sicher gekennzeichnet mit einem „D“ als Wegmarkierung.
Die Äffin
Die nächste Kreuzung wartet auf uns und damit auch bereits das nächste Kunstwerk. Hoch oben im Baum hängt „Die Äffin“. Eine große Affenskulptur aus Holz in angriffslustiger Stimmung. Das Werk stammt vom Künstler Thomas Putze, einem Bildhauer. Ein Zitat des Künstlers: „Meine Figuren schicke ich ebenso in die Manege, aber erst wenn ich den Eindruck habe, dass sie sich behaupten können.“ Und behaupten kann sich die Äffin allemal, wirkt sie doch kämpferisch und beschützend. Wir biegen links ab und folgen weiter der Drachenflugtour.

Hoch sitzen
„Hoch“ ist für uns das Thema des Tages, denn es geht immer weiter nach oben auf der Drachenflugtour Battenberg. Plötzlich tun sich rechts neben uns zwei Hochsitze auf. Doch was soll das? Die Hochsitze stehen dicht nebeneinander, und der Ausguck zeigt nicht etwas in den Wald, sondern sie sehen sich quasi Auge in Auge. Du wirst es sicher bereits ahnen; es handelt sich um ein weiteres Kunstwerk mit dem Namen „Hoch Sitzen“ von Oliver Gather. Er sucht stets den Kontakt zu den Menschen vor Ort und kommt ins Gespräch, jedoch redet er nie über Kunst. Vielmehr möchte der Künstler erfahren, was die Leute bewegt und verbindet. In Battenberg erfuhr er, dass die Jagd ein großes Thema ist, und somit widmete er das Thema seiner Installation, die nicht nur die Jagd an sich darstellt. Im Mittelpunkt steht das Gespräch, die Verbindung zwischen den Menschen. Für uns ist es ein bewegendes Kunstwerk mit starker Aussage. Wir lassen es auf uns wirken und radeln dann weiter. Leider ist es auch das letzte Kunstwerk, das uns auf unserem Weg begleitet, denn wir verlassen den Kunstweg auch schon wieder.
Wildnis rund um Battenberg
Nach kurzer Strecke verlassen wir unsere Drachenflugtour und biegen links ab Richtung Holzhäuser Klippen. Wir haben erst 3 km zurückgelegt, dennoch kam uns der Weg schon recht lang vor. Das hat seine Gründe. Zum einen ging es stetig bergauf, zum anderen war der Weg sehr kurzweilig. Es gab viel zu sehen, etliches zu entdecken und noch mehr zu genießen.
Jetzt jedoch ändert sich die Wegstrecke. Der befestigte Weg weicht einem weichen, mit viel Laub bedeckten Waldweg. Anfangs hängen junge Zweige noch tief. Wir fahren durch einen verträumten Mischwald, der hier und da lichter wird und viel unterschiedliche Vegetation zum Vorschein bringt.
An den Klippen
Bereits nach kurzer Zeit belohnt uns der Aufstieg mit einem zauberhaften Blick ins Tal und auf die unten liegenden Dörfer. Der Mischwald ist unterschiedlich dicht und wirkt selbst im Winter noch sehr bunt. In einer Kurve sind wir an den Holzhäuser Klippen angekommen. Was für ein grandioser Fotospot! Sofort ziehen wir unsere Kameras und Handys, um eindrucksvolle Selfies und Landschaftsaufnahmen zu shooten. Der atemberaubende Blick ins Tal über die wilden Klippen lässt uns einer Meinung sein: Das hat sich wirklich gelohnt.
Bei den Klippen entdecken wir einen Unterstand, leider ohne Sitzgelegenheit. So machen wir es uns bequem auf einem der vielen großen Steine und genießen eine Pause mit Picknick vor überwältigender Kulisse. Kleiner Tipp: Pack dir eine Thermoskanne mit Tee ein.
Ausblick
Wenn sich der Nebel verzieht, hast du einen fesselnden Blick ins Tal. Plötzlich merkst du, wie hoch oben du nun bist.
Zurück zur Route
Nach einem ausgiebigen Picknick geht es wieder auf die Räder. Wir werfen einen letzten Blick zurück auf die fantastische Aussicht und radeln weiter auf dem Weg, der uns immer noch nach oben begleitet. Dann erreichen wir erneut eine Kreuzung, die uns wieder auf die Drachenfliegertour bringt. Der Weg biegt nach links ab und geht von nun an nur noch moderat bergauf.
Der Wald verwandelt sich spürbar, wird lichter, und der Blick ins Tal zeigt uns einmal mehr, wie weit wir trotz des nur leichten Anstiegs gekommen sind. Nun treffen wir auf große Lichtungen, gefolgt von Waldflächen, bis bei ca. 7 Kilometern der Weg bergab verläuft.
Im Reich der wilden Katzen
Die Wegstrecke ist von nun an aufgrund der Abfahrt schnell zu meistern. Dennoch halten wir oft an, um den einzigartigen Blick zu genießen. Weiter unten verraten Hinweisschilder, dass es in diesem Gebiet Reviere der seltensten heimischen Säugetiere gibt: der Wildkatzen.
Leider kam es im Ort bereits zu einem Wildunfall mit einer Wildkatze. Die Tiere sind scheu und in diesen Wäldern zu Hause. Ihre Zukunft ist ungewiss, und deshalb gibt es zahlreiche Schutzprogramme für diese wundervollen Tiere. Ein anderes Problem ist, dass sich Wildkatzen mit Hauskatzen paaren, was unnatürlich ist, denn die heimischen Wildkatzen sind nicht mit den Hauskatzen verwandt. Die Nachkommen, sie werden als Blendlinge bezeichnet, kommen in der freien Natur schlecht zurecht und haben keine guten Überlebenschancen. Auch das ist ein Grund, warum der Bestand an Wildkatzen gefährdet ist. Wir lesen die Hinweise des Naturschutzbundes aufmerksam, was uns nachdenklich stimmt.
Im Tal
Der Weg ins Tal macht noch einige lohnenswerte Abstecher, die wir natürlich mitnehmen, um die Waldlandschaft noch mehr zu genießen. Was uns besonders gefällt, ist der abwechslungsreiche Mischwald in dieser Region. Trotzdem wird der Wald im kompletten Gebiet forstwirtschaftlich genutzt, was uns auf der Strecke immer wieder durch riesige Holzstapel am Wegrand bewusst wird. Der Weg ist für forstwirtschaftliche Fahrzeuge gut befahrbar, was uns natürlich auch als Radfahrer zugutekommt.
Wir erreichen das Tal jetzt zügig und finden uns eher unvermittelt in Battenberg wieder. Vorbei an der Gesamtschule und einer großen Sporthalle erreichen wir kurz darauf schon unser Fahrzeug am Friedhof.
edlake-Fazit: Für uns war es ein schöner Ausflug. Es war zwar leicht zu fahren und nicht sehr lang, aber wir haben fantastische Ausblicke und viel Nachdenkliches erlebt. Von Kunst in der Natur über die heimische Tierwelt bis hin zu gewaltigen Ausblicken ins Tal war es ein entspannter, überraschend vielseitiger Weg. Der Radweg hat mehr geboten, als wir erwarteten. Gut gelaunt steigen wir in unser Auto und treten die Heimreise an. Es war ein gelungener Tag. Übrigens: Die Strecke ist nur 14 Kilometer lang und somit durchaus auch zu Fuß für eine Wanderung geeignet.
Mehr über Battenberg/Eder erfahrt ihr übrigens hier.





