Märchen, Kunst und Tradition

Kunst. Zwischen Campingplätzen, Mountainbike-Trails und Bootstouren eher selten anzutreffen. Doch hin und wieder entstehen Konzepte, die die scheinbaren Gegensätze überwinden wollen. Der Kunstweg in Battenberg hat sich genau das zur Aufgabe gemacht.

Rapunzel, das weiß ein jedes Kind, lebt in einem hohen Turm. Von dessen Spitze lässt sie bisweilen ihr Haar herunter, um dem Prinzen Einlass zu ermöglichen. Ein durchaus geschickter Kunstgriff, wenn man in einem Gebäude ohne Tür wohnt.

Kunst und Kultur erleben

Kunst, so scheint es, ist also seit jeher mit Märchen und Tradition verbunden. So auch in Battenberg. Dort verbinden sich Tradition, Kultur und Erleben auf dem „Kunstweg Battenberg“. Einem 14 Kilometer langen Wanderweg, der Battenberg mit seinen Stadtteilen Berghofen und Laisa verbindet und auf dem zahlreiche Skulpturen unterschiedlicher Künstler aus ganz Deutschland stehen.

Mit der Geschichte verbunden

Tradition hat, um auf Rapunzel und die Märchen zurückzukommen, in dem kleinen Städtchen im oberen Edertal gleich mehrere Gesichter. Neben den üblichen historischen Eigenheiten einer jeden Region sind es in Battenberg allem voran die in der Grimmheimat Nordhessen so allgegenwärtigen Märchen.

Neben dem prominenten, im Stadtkern gelegenen Hänsel und Gretel Brunnen bettet sich der Kunstweg als eigener Themenweg ein in die Premiumwanderregion „Wandermärchen Burgwald-Ederbergland“. Er versucht damit, den Menschen Kunst und Kultur näherzubringen. Sozusagen vor die eigene Haustür. Die Kombination dieser Welten ist Anspruch und Verdienst des Kunstweges zugleich.

Kunst von Sportwagen in Battenberg
Vollgas! – Raimund Göbners „DUFTE MIETZENSCHLEUDER“ ist ein hölzerner Sportwagen, dessen dynamische Form Rückschlüsse auf die Motorsporttradition des historischen Battenberg-Rings zulässt
Eintauchen in eine andere Welt

Seinen Startpunkt hat der Kunstweg am Burgberg in Battenberg. Schon nach wenigen Metern scheint man sich in einer anderen Welt zu befinden. Steile, bewaldete Hänge zu beiden Seiten des Weges. Rechts könnte man den Burgberg erklimmen, linker Hand unten im Tal fließt die Eder. Weiter hinten schlängelt sich der Weg weiter um den Berg. Die Oberstadt scheint bereits hier längst vergessen.

Tief in den Berg gegraben

Man muss nicht zwingend durch Kinderaugen blicken, um zwischen all den Wurzeln und kleineren Erdlöchern Tunnel zu vermuten, die sich durch den Berg ziehen. Der vor über 100 Jahren stillgelegte Christian Frank Stollen, dessen Eingang den Kunstweg säumt, dient als Beleg dafür, dass es hier wirklich Tunnel gibt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Battenberg nämlich nach Braunstein, einem Mangan-Mineral, gegraben. Die Spuren davon sind noch heute überall am Burgberg zu erkennen.

Auf Entdeckungstour

Man kann den Kunstweg als Beleg dafür sehen, welchen Wandel die Nutzung der Umwelt durch den Menschen im Laufe der Zeit vollzieht. Wo früher Bergleute ihrem Tagwerk nachgingen, machen sich heute Wanderer auf den Weg, um kunstvoll gestaltete Skulpturen zu entdecken.

Ein abstrahiertes „B“ weist dabei den Weg. Mitunter muss man zweimal schauen, bis man eventuell auch über den Köpfen etwas entdeckt. Hinweisschilder inklusive QR-Code geben eine erste Hilfestellung. Die Weiterleitung zur Homepage des Kunstweges klärt schließlich über Künstler und Werk auf. So zum Beispiel bei Wladimir Oldenburgs „A WIDE-TOOTHED GLASS COMB“, das man erst auf den zweiten Blick oben am Stamm des mächtigen Baumes erkennt.

Hoch hinaus!

Der Turm auf dem Gipfel des Burgberges ist vom 1. April bis 31. Oktober tagsüber für Besucher geöffnet. Im Winter kann der Schlüssel bei der Stadtverwaltung, beim „Schreib- und Leseeck“, in der Bären-Apotheke und bei der Tankstelle des Autohauses Bienhaus gegen Gebühr abgeholt werden.

Spielt das Wetter mit, hat man vom Turm freien Blick bis zu den Lahnbergen und dem Kahlen Asten.

battenberg-eder.de

Tradition und Moderne

Insgesamt besteht der Kunstweg aus 22 Stationen. Doch nach den Plänen der Initiatoren soll der Weg in Zukunft noch weiter wachsen. Nachdem die erste Idee der Projektgruppe, in Battenberg einen Kunstweg zu etablieren, schon 2014 reifte, fiel der Startschuss nach erfolgreicher Förderungszusage schließlich im Jahr 2018. Unter maßgeblicher Beteiligung des Kunstvereins Battenberg realisierten die Organisatoren des Kunstweges gemeinsam mit der Stadt Battenberg als Träger sowie den Künstlern die weitere Umsetzung des Konzeptes, Tradition und modernes Leben zu verbinden.

Greifbar wird dies mit Philipp Hillers „LAPIS – GEIST DES STEINES“. Dem Künstler gelingt es mit dem auf einem alten Eichenbalken ruhenden Glaswürfel, in dessen Inneren sich ein Stein befindet, den Brückenschlag zwischen moderner Kunst und traditionellem Braunstein-Bergbau zu vollziehen.

Vereint mit der Natur

Wem das zu abstrakt sein sollte, dem sei das Besucherbergwerk etwas unterhalb der Skulptur empfohlen. Dort kann man, mit Schutzkleidung und Grubenlampe, an einer Führung durch die über 150 Jahre alten Stollen teilnehmen.

Inwieweit die Skulpturen des Kunstweges eine ähnlich lange Lebenserwartung haben, bleibt fraglich. Sind sie doch untrennbar mit der Natur und der Vegetation des Burgbergs verbunden und damit der Vergänglichkeit versprochen. Wie eben jenes oben erwähnte WIDE-TOOTHED GLASS COMB – der Glaskamm mit breiten Zähnen, der nur so lange Bestand haben wird wie der Baum, an dem er prangt.

Das Besucherbergwerk
Das Besucherbergwerk „Burgbergstollen“ hat von Mai bis September an jedem 1. Sonntag im Monat von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen für Gruppen ab 10 Personen sind nach Absprache möglich. www.burgberstollen.de
Den Gipfel erklimmen

Vom Turm auf dem Gipfel aus erkennt man Berghofen und Laisa und kann den weiteren Verlauf des Kunstweges bereits erahnen. 88 Stufen braucht es, um die Spitze zu erklimmen. Dort oben auf dem Burgberg steht übrigens nicht nur der Turm, dem man Rapunzel andichten könnte, sondern auch das Kunstwerk von Sieglinde Gros: „AM SCHOPFE PACKEN“. Eine eindeutig als Rapunzel interpretierbare Holzfigur mit langem Haar.

Nur, was ist schon eindeutig in der Welt der Kunst oder der Märchen? Wenn es selbst in der alltäglichen Realität zusehends schwererfällt, Dinge als eindeutig zu erkennen.

Eine Kunst von eigener Art

Mit der Kombination aus Erleben, Entdecken und naturnaher Kultur gelingt den Initiatoren des Weges aber definitiv ein ganz besonderer Kunstgriff, der den Kunstweg Battenberg zur „Ars sui generis“ macht. Zur Kunst von eigener Art. Hier verbinden sich alte Tradition und Geschichte mit einem völlig neuen Blick auf die Landschaft.

 

edlake Tipp

Alle Infos zum Kunstweg, zu dessen Künstlern und dem Entstehungsprozess sind auf der Homepage

kunstweg-battenberg.de

zu finden. Außerdem bietet der Kunstverein Battenberg eine eigene Wanderkarte für den Kunstweg an. Diese gibt es immer dienstags von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr und sonntags von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Kunstverein gratis zum Mitnehmen.

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