Grube Christiane – Die Reise zum Mittelpunkt des Erzes

Die Grimmheimat Nordhessen glänzt weit über ihre Grenzen mit ihrem reichhaltigen Märchenschatz. Ziemlich unbekannt ist hingegen ein Schatz ganz anderer Natur: in Adorf am Diemelsee. Obwohl hier durchaus gewisse Parallelen zum Stoff, aus dem die Märchen sind, bestehen. Neugierig? Dann kommt mit! Denn heute geht es mit edlake tief unter die Erde in den Berg hinein.

Schneewittchen kennt jeder. Die Märchenprinzessin mit ihren Zwergen zählt vermutlich zu den Grundfesten unserer Erzählkultur. Doch weiß eigentlich jemand, wer Christiane ist und welchen unermesslich wertvollen Schatz sie beherbergt? Vermutlich nicht. Dabei ist die Dame um Längen älter als Schneewittchen und für jedermann erlebbar.

Verwurzelt im Mittelalter

Allerdings handelt es sich bei Christiane nicht um eine Person, sondern um einen bestimmten Ort. Die „Grube Christiane“ ist ein Besucherbergwerk in Adorf am Diemelsee. In den mittlerweile stillgelegten Schächten im Martenberg gruben die Kumpel – wie man die Bergleute nennt – dort bis 1963 aktiv nach Eisenerz. Die Geschichte des Adorfer Bergbaues reicht indes noch viel weiter zurück. Schon im Mittelalter stießen die Menschen tief in den Berg vor, um nach den Millionen Jahre alten Roteisenerzvorkommen zu graben; urkundlich datiert auf Januar 1273.

Getragen vom Ehrenamt

Heute wühlen sich nur noch Besucher durch die dunklen Stollen. „Pro Saison zwischen 2.000 und 3.000“, wie Fabian Fischer vom Knappenverein Adorf berichtet. Die 95 ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Vereins kümmern sich um den Besucherbetrieb und die weitere Instandhaltung. Eigentümer und Betreiber der Grube Christiane hingegen ist die Gemeinde Diemelsee. Diese kümmert sich ihrerseits vor allem um Werbung und administrative Tätigkeiten wie die künftige Barrierefreiheit des Besucherbergwerkes. Denn noch ist es dort unten im Berg sehr oft ziemlich steil.

Unabhängig davon ist es besser, „man ist klein“, empfiehlt Fabian Fischer weiter. Bisweilen können die Gänge ziemlich niedrig sein. Die vom Bergamt vorgeschriebene Helmpflicht erschließt sich dem Besucher deshalb sofort. Über mehrere Routen ist die Grube Christiane begeh- und erlebbar. Je nach Zeit und Interesse bietet der Knappenverein Führungen zwischen 1,2 und 1,8 Kilometern Länge an. Die Dauer einer Führung beträgt etwa 1,5 Stunden.

edlake-Tipp

Im angeschlossenen „Bergmannstreff Zum Roteisenstein“ könnt ihr das selbst mitgebrachte Picknick in gemütlicher Umgebung genießen. Bis zu 70 Personen finden dort Platz.

Gut gerüstet. Festes Schuhwerk und warme Kleidung werden empfohlen. Die restliche nötige Schutzausrüstung erhaltet ihr vor Ort.
Gut gerüstet. Festes Schuhwerk und warme Kleidung werden empfohlen. Die restliche nötige Schutzausrüstung erhaltet ihr vor Ort.

Überzeugt durch Einzigartigkeit

Seit seiner Eröffnung im Mai 1986 bietet das Bergwerk spannende und anschauliche Einblicke in das Leben und Arbeiten unter Tage vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Nachwuchsprobleme hat der Knappenverein glücklicherweise nicht. Zwar sei der Altersdurchschnitt relativ hoch, „aber in den letzten Jahren hat sich ’ne relativ junge Truppe gefunden, die wirklich was anpackt hier im Verein“, resümiert Fabian über die durchaus positive Entwicklung.

Die Grube ist für ihn das „touristische Zentrum der gesamten Region – ein Juwel, das vollkommen anders ist, als was man sonst geboten kriegt“. Viele der Besucher sind ehemalige Bergleute, die wegen der Einzigartigkeit von Christiane sogar bis aus dem Ruhrgebiet kommen.

Einzigartig ist auch, dass ein Kumpel, der hier in Adorf noch selbst aktiv unter Tage war, Führungen macht. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Betrieb schon 1963 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde.

Neustart mit neuem Namen

Der letzte Betreiber war bis zu diesem Zeitpunkt die Firma Mannesmann. Das Unternehmen hatte 1936 im Auftrag der Reichsregierung mit Probebohrungen begonnen, um noch unbekannte Erzlagerstätten zu entdecken. 1938 begannen schließlich die Arbeiten in dem alten Bergwerk. Unter dem nun neuen Namen „Grube Christiane“ förderte man bis zum Jahr 1963 ca. 1,8 Millionen Tonnen Eisenerz zu Tage. Übrigens: Bis die Stollen im Jahr 1917 wegen Erschöpfung der seinerzeit bekannten Lagerstätten geschlossen wurden, trugen sie noch den Namen „Grube Martenberg“.

edlake-Tipp für über Tage

Wer vom Dunkel des Bergwerkes nach der Führung genug hat und die Frühlingssonne auskosten will, kommt in der Tourismusregion Diemelsee voll auf seine Kosten. Unter diemelsee.de findet ihr alle Erlebnisangebote der Region. Vom Wandern, Radfahren, Angeln, Baden, Bootfahren bis hin zu Trekkingplätzen inmitten der Natur ist alles zu finden.

diemelsee.de

Geführt vom Wasser

Nach so viel Geschichte wird es nun Zeit, endlich richtig einzutauchen in den Fels. Bis zu 100 Meter führen die Stollen in die Erde. Diese Zahl ist jedoch so beachtlich wie missverständlich. Denn eigentlich geht man „bei null“ hinein, und lediglich der Berg über einem steigt an. Verlaufen könne man sich aber glücklicherweise nicht, weiß Fabian Fischer zu beruhigen. „Die Stollen sind mit Gefälle angelegt, so dass das Wasser ganz natürlich aus dem Berg rauslaufen kann. An den sogenannten Rüschen, dem natürlichen Wasserabfluss, kann man sich auch im Stockfinsteren noch immer orientieren. Geht man tiefer in den Berg hinein, fließt das Wasser auf der linken Seite. Geht man aus dem Berg hinaus, fließt das Wasser zu deiner Rechten.“

Unterstützt durch moderne Technik

Inwieweit man das natürlich testen will, sei dahingestellt. Sorgen, dass es zu einem Stromausfall unter Tage kommt, braucht man sich aber laut Fabian Fischer keine zu machen. Früher sei das mit der alten Elektroanlage schon mal vorgekommen. Da war es dann auf einmal zappenduster. Doch genau aus diesem Grund wurde vor längerer Zeit eine komplett neue Anlage eingebaut, die mit akustischen und visuellen Sicherheitseinrichtungen (Warnsignale, Lampen) warnt. Als Nebeneffekt „lässt die Anlage die Grube in ’nem neuen Licht erstrahlen, aber der alte Charme bleibt erhalten“. Die Abenteurer in Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt des Erzes“, pardon, „der Erde“ wären sicher neidisch auf so viel Unterstützung.

Auf die Frage, ob man denn tief im Berg auch Zwerge treffen könnte, antwortet Fabian Fischer mit einem Schmunzeln: „Bisher haben wir noch keine gesehen, aber vielleicht begegnet man ja einem Erzgeist.“ In diesem Sinne, Helm auf, Kopf einziehen und Glückauf!

Öffnungszeiten, Preise und Kontaktdaten

diemelsee.de/besucherbergwerk-grube-christiane

Fledermäuse an der Decke
Die Grube Christiane ist von November bis April geschlossen. In dieser Zeit halten die in den Stollen lebenden Fledermäuse Winterschlaf.

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