Wandern im Knüll – Finsteres Mittelalter im urigen Mischwald

Eisig weht der Winterwind. Warm gekleidet laufen wir durch den gestrigen Schnee ein kurzes Stück den Berg hinauf. Das erste Ziel wird Burg Wallenstein sein. Wir fragen uns: „Warum müssen Burgen eigentlich immer so hoch auf Bergen stehen?“.

Zunächst kommen wir aber auf dem Wanderparkplatz Schlossbrunnenweg an. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt starten wir unsere kleine Wanderung durch den Knüll. Diese ist nur ungefähr zehn Kilometer lang, aber anspruchsvoll. Für kalte Tage ist sie perfekt. Wir packen unsere Rucksäcke, und los geht’s.

Das erste Highlight auf der Strecke

Nach einem kurzen Aufstieg erreichen wir Burg Wallenstein, vielmehr die Überreste der Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert, im Hochmittelalter gebaut und im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Danach wurde Baumaterial entnommen, was der Burg zusätzlich zu schaffen machte. Wir stehen mitten in der Ruine. Ein Wachturm steht noch und ist mit einer intakten Wendeltreppe begehbar. Klar, dass wir hinauf wollen, und so geht Patrick, der tapfere Familienvater, voran, die engen Stufen hinauf. Oben haben wir dann einen imposanten Blick über die abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Im Mittelalter war diese Festung zweifelsohne an einem strategisch günstigen Ort gebaut. Zu fast allen Seiten führen die Klippen steil ins Tal, was es sicher nicht einfach für potentielle Angreifer machte.

Auf dem Bild ist eine Familie während ihrer Wanderung durch den Knüll zu sehen. Bei winterlichen Temperaturen und leicht verschneiter Landschaft bewegen sie sich auf einem gut ausgebauten Wanderweg durch den Wald. Die Eltern und Kinder sind warm eingepackt, einige haben Rucksäcke und tragen Handschuhe. Im Hintergrund ist der lichte Mischwald des Knüllgebirges zu sehen, während die Familie die ruhige Natur und den Ausblick genießt. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, perfekt für eine Winterwanderung in der Region. Foto: David Heise
Los geht’s! Eine Hinweistafel am Parkplatz verrät uns Details über die Route.

Schnell sind Kälte und der strapaziöse Aufstieg vergessen. Unten, am ehemaligen Eingang der Burg, riskieren wir einen verstohlenen Blick ins Kellerverlies. Wahrlich kein einladender Ort. Wir bleiben einige Zeit innerhalb der Burgreste. Einige Selfies und Landschaftsaufnahmen später erkennen wir, dass dieser Ort bezaubernde Fotospots bietet. Insbesondere der Innenhof, umgeben von verwittertem Gemäuer, hat eine mystische und zugleich ästhetische Anmutung.

Ab in den Wald

Wir streifen einen Campingplatz mit Spielplatz direkt an der Burg. Uns ist klar, dass dieser im Winter geschlossen ist. Schön gelegen ist er allemal und sicher ein attraktiver Ort im Sommer, doch unser Weg führt weiter in den Wald. Nicht ohne zu schmunzeln, entdecken wir auf dem Spielplatz eine große Glocke, die bei Kindern sicher für Spaß sorgt, bei Campern aber ohne Frage nicht so arg beliebt sein dürfte. Auf gut ausgebauter Wanderroute führt uns der Weg in einen lichten, bezaubernden Mischwald mit einer weiteren Steigung. Frei von Laub schenken uns die Bäume den nötigen Weitblick. Die leicht verschneite Landschaft gibt uns echtes Winterfeeling, das jedoch auch den Körper langsam auskühlt. Wir sind hoch oben im Mittelgebirge, was das Klima rauer macht.

Etwas Warmes braucht der Mensch

Um uns etwas Gutes zu tun, suchen wir eine Parkbank. Mit unseren Handschuhen schieben wir den Schnee beiseite und setzen uns kurz hin. Zum Glück haben wir Heißgetränke und etwas Verpflegung dabei, denn in der kalten Jahreszeit verbraucht der Körper draußen viel Energie. Nach kurzer Zeit stehen wir auf und essen lieber im Stehen, da die Bank zu nass und kalt ist. Lange rasten wir nicht, denn wir müssen uns warmhalten. Beim weiteren Aufstieg wird uns durch die körperliche Anstrengung schnell warm. Wie gut, dass Jenny, die gute Mutter, an Handschuhe und warme Socken dachte.

edlake-Tipp

Achte darauf, dass es Winter ist! Das Klima im Knüllwald ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn es unten im Tal noch halbwegs gemütlich scheint, kann es oben auf dem Berg ganz anders sein.

Packe auf jeden Fall genügend Heißgetränke ein. Ebenso brauchst du genug zu essen, auch wenn die Strecke mit gut zehn Kilometern nicht sehr lang ist. Der Körper braucht in der Kälte viel Energie.

Handschuhe und warme Socken sind kein unnötiger Ballast, sondern eine Wohltat. Gut ausgerüstet, hast du ein tolles Naturerlebnis im Winter, nach dem ein Abend am Kaminfeuer noch gemütlicher wird, als er ohnehin schon ist.

Auf zum Predigerstuhl

Weiter bergauf führt uns der gut ausgebaute Wanderweg zum Predigerstuhl. Hier erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung. Der Ort ist ein idealer Rastplatz. Zwar haben wir eine Rast hinter uns, aber hier ist ein großartiger Ort für eine Pause. Er ist geprägt von sakralen Symbolen. Überall sehen wir Kreuze, und auf einer Hinweistafel finden wir die Auflösung unseres Rätsels.

Ein einst armer Theologiestudent bekam ein Stipendium vom Burgherren Georg Wilhelm von Wallenstein. Dieser hielt an diesem Ort eine zutiefst beeindruckende Rede, in der er seinen Wohltäter lobte. In Erinnerung an diesen Tag erhielt der Platz den Namen „Predigerstuhl“. Es wurde eine Kanzel und ein Altar gebaut. Heute findest du hier zahlreiche Sitzgelegenheiten und Tischbänke sowie einen Schutzraum. Seit 1983 findet hier am Pfingstsonntag jährlich eine Andacht statt. Uns versetzt dieser Platz in eine andächtige Stimmung. Emotional gerührt, beschließen wir, weiterzuziehen, wohl wissend, dass es bald bergab geht.

Stolze Bäume

Auf dem Weg ins Tal begleitet uns weiterhin ein abwechslungsreicher, lichter Mischwald, doch zuvor, auf einer freien Stelle, finden wir die Kaisereiche. Dieser Baum hat zu Recht eine besondere Stellung im Wald. Stolz steht sie dort und ist ein fantastischer Fotospot für unsere Selfies. Der Baum ist außergewöhnlich schön gewachsen. Imposant fügt er sich in die Lichtung ein.

Motivationsschub

Wir sind jetzt bester Laune, in der Erwartung, dass es nun nur noch bergab geht. Kalt ist inzwischen niemandem mehr. Die Kinder laufen voran. Die Eltern müssen ständig stehenbleiben und die schöne Aussicht genießen. Klar, dass es die Kinder nervt. Ins Tal hinunter geht es auf einem gut ausgebauten Weg, und wir kommen schnell voran. Bald sehen wir schon den Parkplatz, an dem unser Auto steht. Dort angekommen, trinken wir einen Schluck und resümieren. Es war für alle eine gelungene Wanderung. Hoch motiviert geht es weiter, denn wir wollen uns den Wildpark Knüll anschauen.

edlake-Fazit: Der Wanderweg „Runde von Wallenstein“ ist eine runde Sache und bestens für kalte Wintertage geeignet, weil du eine eher kurze Strecke hast, die aber viel zu sehen bietet. Du kannst dir Zeit lassen, und durch den Aufstieg am Anfang frierst du auch nicht. 

Die komplette Tour findest du unter: www.komoot.com

Tipp: Nach der Wanderung waren wir übrigens noch im Wildpark Knüll, darüber könnt ihr hier nachlesen!

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