Wanderdachshund – Unter der Oberfläche

Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar – Antoine de Saint-Exupéry. Manchmal muss erst etwas verschwinden, damit anderes zum Vorschein kommt. Am Edersee geschieht dieses Schauspiel jeden Herbst – und in diesem Jahr besonders früh. Wenn das Wasser sinkt, tauchen sie auf: die Mauern, Brücken und Wege von Edersee-Atlantis. Reste von Dörfern, die einst voller Leben waren. Und plötzlich stehen Menschen am Ufer und staunen, und blicken auf etwas, das sonst verborgen ist.

Mich als Dackel fasziniert das ungemein. Während Menschen noch die Kameras zücken und über Ruinen reden, denke ich: Unter der Oberfläche gibt es doch immer etwas zu entdecken. Ich schaue sowieso ständig darunter, denn mein Blickwinkel ist eher bodennah als hoch hinaus. Und wenn ich nicht schaue, dann schnüffle ich. Was ich da so alles finde! Stöckchen in allen Größen, einmal habe ich eine Gummiente ohne Quietschen gefunden, sowie allerlei Kleinigkeiten, die Menschen im Wasser verloren haben.

Für mich ist das Leben voller kleiner Atlantis-Momente. Dinge, die nur sichtbar werden, wenn man näher hinschaut. Die Ruinen am Edersee sind ein Sinnbild dafür: Sie zeigen, dass nicht alles, was existiert, auch jederzeit sichtbar ist. Vieles liegt verborgen – im Wasser, im Boden, in den Erinnerungen.

Und so ist es doch auch mit uns selbst. Oberflächlich betrachtet, wirken wir alle irgendwie geordnet: ein Job, ein Alltag, vielleicht ein Spaziergang mit dem Hund. Aber unter der Oberfläche gibt es Schichten von Erfahrungen, Hoffnungen, Verlusten und Träumen. Manchmal sinkt der „Wasserpegel“ unseres Lebens, und dann werden Dinge sichtbar, die lange verborgen waren – schöne wie schmerzliche.

Manchmal fühlt sich das an wie eine Schatzsuche. Plötzlich tauchen Wege auf, die ins Nichts führen, oder Mauerreste, die wie geheimnisvolle Türen wirken. Für mich ist das wie ein Abenteuerpfad, auf dem hinter jeder Ecke etwas Neues wartet. Und vielleicht ist genau das der Reiz: nicht zu wissen, was sich noch zeigen wird, wenn man genauer hinschaut.

Ich finde, das ist nichts Beängstigendes. Im Gegenteil: Es ist ein Geschenk, wenn wir unter die Oberfläche schauen dürfen. Wer nur an der Wasseroberfläche paddelt, verpasst die ganze Tiefe. Wer nur oberflächlich begegnet, übersieht die Geschichten. Und wer nur über den Edersee spaziert, ohne in die Tiefe zu schauen, merkt gar nicht, dass er auf einer Landschaft läuft, in der einst Glocken läuteten, Kinder lachten und Menschen ihre Heimat verloren.

Natürlich bleibt auch Platz für Humor. Während die Menschen ehrfürchtig auf die alten Mauern starren, bin ich mit der Nase schon längst im nächsten Strauch verschwunden. Und wer weiß, vielleicht finde ich dort meinen ganz persönlichen Schatz – nicht aus Gold, sondern aus Wurstpapier. Jeder hat eben seine Form von Atlantis.

Der Herbst erinnert uns daran, dass das Verborgene nicht verschwunden ist. Unter den bunten Blättern liegt der Boden, unter dem Nebel die Landschaft, unter dem Wasser die Geschichte. Und manchmal müssen wir uns einfach die Zeit nehmen, genauer hinzusehen.

Am Ende ist das wohl die Philosophie eines Dackels: Bleib neugierig und trau dich, unter die Oberfläche zu gehen. Denn dort liegen die wahren Entdeckungen – sei es in alten Dorfmauern, in erloschenen Glockenklängen oder in Geschichten, die unser Herz berühren.

Dem Wanderdachshund folgen

Ihr könnt mich gerne bei meinen Abenteuern am Edersee und in der weiten großen Welt bei Instagram begleiten: Wanderdachshund

– WERBUNG –

Urlaub in den Naturlodges Edersee - jetzt buchen!
Beysshaus Ferienhäuser in Bad Wildungen, Edertal, Pilsum
thinkfox Werbeagentur Edertal, Nordhessen

Ähnliche Beiträge

Vielleicht auch interessant für Dich!