Gekommen, um zu bleiben – Lisa Ohntrup und Philip Gulliver

Für uns ist Frebershausen ein romantisches Archipel von Bad Wildungen. Ein Ort, an dem die Kunst gefeiert wird. Abgelegen vom Stadtkern, ist Frebershausen der einzige Ortsteil, der direkt am Nationalpark Kellerwald-Edersee liegt, umgeben von bezaubernder Natur.

Genau hier haben sich Lisa Ohntrup und Philip Gulliver ihren Traum verwirklicht. Es war ein langer, turbulenter Weg. Lisa stammt aus Norddeutschland, aus der Gegend zwischen Hamburg und Bremen. Philip ist in Glauchester, an der schottischen Nordwestküste aufgewachsen. Voller Freude erzählten sie uns, warum sie hierher gekommen sind und warum sie diesen Ort so lieben.

Redaktion: Ihr stammt beide aus völlig unterschiedlichen Orten. Wie habt ihr euch gefunden und wie wurde Frebershausen euer Zuhause?

Lisa: Kennengelernt haben wir uns 1972 in Norddeutschland. Wir haben beide das Landleben gesucht und eine Hofgemeinschaft in Hildesheim gegründet. Diese Gemeinschaft bestand anfangs aus zwei Kindern und sechs Erwachsenen. Die Mitglieder der Gemeinschaft wechselten jedoch ab und an. Wir suchten einen neuen Ort und sind dann mit einer kleineren Gruppe nach Frebershausen gezogen. Hier haben wir diesen Hof übernommen. Wir leisteten viel Arbeit, um den Hof instand zu setzen. Um das Gebäude zu restaurieren und zu renovieren, verwendeten wir viele alte Bauelemente. Dort, wo sich jetzt die Keramikwerkstatt befindet, war früher ein Schweinestall.

Redaktion: Was habt ihr im Leben gemacht, bevor ihr die Töpferei eröffnet habt?

Lisa: Ich habe Lehramt, Fachrichtung Kunst in Göttingen studiert. Seit jeher habe ich mich auf das Handwerk in seiner ursprünglichen Form besonnen. Mich faszinieren alte Handwerkstechniken, und diese wollte ich stets ausleben. So lag es auf der Hand, mit dem Töpfern zu beginnen, als ich Philip kennenlernte. 1978 trat ich eine Lehrstelle an der Aumühle bei Hamburg an. Seinerzeit gab es einen „Töpferatlas“, in dem sämtliche Töpfereien verzeichnet waren. Dadurch bin ich zur Lehrstelle gekommen. Später versuchten wir, in Frebershausen unsere eigene Töpferei zu eröffnen. Uns war klar, dass wir unseren Traum nur leben können, wenn wir nach ein paar Jahren wirtschaftlich arbeiten können. Und es hat glücklicherweise funktioniert.

Philip: Ich habe in Schottland Kunst studiert. Die Bilder, die hier überall im Verkaufsraum hängen, sind meine Werke. Inzwischen ist es nur noch ein Hobby, aber meine künstlerische Ausbildung fließt natürlich auch in die Keramikarbeit ein. Ich habe eher zweidimensional gearbeitet, also auf einer Fläche gemalt. Etwas Bildhauerei habe ich auch versucht, aber drei-dimensionales Arbeiten begann erst durch meine Arbeit als „Potterer“ (engl. für Töpfer). Ich habe bereits in Schottland als Potterer gearbeitet, und zwar in der Pottery Edinbane auf der Isle of Skye. Einmal kam ein Kunde in unsere Werkstatt und bemerkte, dass er ganz ähnliche Keramik schon einmal im Urlaub gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass er die Pottery Edinbane besucht hatte und meine Handschrift wiedererkannte.

 

Redaktion: Was zeichnet eure Arbeit aus?

Philip: Für unsere Keramik verwenden wir eine eigene Tonmischung, die wir speziell für uns anmischen lassen. Wenn wir eine neue Tonlieferung bekommen, müssen wir sie zuerst testen und unseren Arbeitsprozess anpassen. Ton ist ein Naturprodukt und stets anders zusammengesetzt. Wir brennen mit 1300 °C, also sehr heiß. Befeuert wird unser Ofen mit Fichtenholz. Die Flammen schlagen dabei bis auf die Keramik. Wenn sich die Asche beim Glasurbrand an einigen Stellen auf die Keramik legt, entsteht eine besonders ästhetische, feine Musterung. Unsere Keramik ist robust und widerstandsfähig. Wir legen bei unseren Entwürfen Wert auf ergonomische, ideenreiche Formen. Beispielsweise soll auch eine gefüllte Teekanne gut in der Hand liegen und der Tee daraus leicht einzuschenken sein. Wir brennen die Keramik immer zweimal. Der zweite Brand ist der Glasurbrand. Dabei bekommt die Keramik ihr eigentliches Aussehen und ihre Farbigkeit.

Redaktion: Und nun zur wichtigen Frage: Wie gefällt euch die Region und wollt Ihr hierbleiben?

Lisa und Philip: Wir lieben diesen Ort und möchten ihn absolut nicht verlassen. Wir genießen es so sehr, in der Natur spazieren zu gehen. Wir lieben die Jahreszeiten und schätzen das Dorfleben. Etwas traurig sind wir, dass es unser bekanntes Dorffest „Dorf Art“ nicht mehr gibt. Wir haben es immer gern mitgestaltet. Auf Märkten sind wir nur wenig unterwegs, dafür haben wir unseren Verkaufsraum, den wir liebevoll eingerichtet haben. Unsere Kinder sind hier aufgewachsen. Sie lebten im Haus, während wir arbeiteten. Sie waren ständig bei uns. Wir haben den Hof und die Keramikwerkstatt aufgebaut. Frebershausen ist unser Zuhause geworden.

Redaktion: Vielen Dank, Lisa und Philip, für den netten Empfang. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Es ist immer wieder schön, solch interessante Menschen zu treffen.

Lieber Leser, uns haben Lisa und Philip begeistert. Sie haben uns mit ihrer Leidenschaft abgeholt und uns aufs Neue gezeigt, wie wertvoll alte handwerkliche Techniken sind. Die Töpferei ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Sie ist ein Träger unserer Kultur. Die Keramiken stechen sofort aus dem industriellen Einerlei heraus. Schau vorbei und überzeuge dich selbst.

Öffnungszeiten Töpferei Frebershausen

Dienstag bis Freitag: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Samstag: 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Töpferei Frebershausen
Lisa Ohntrup und Philip Gulliver
Frankenauer Straße 1
34537 Bad Wildungen Frebershausen
Tel.: 06455 1377
www.toepferei-frebershausen.de
info@toepferei-frebershausen.de

– WERBUNG –

Ähnliche Beiträge

Vielleicht auch interessant für Dich ...