Ein Dorf mit Stadtkern – Reinhardshausen

Das kleine Dorf Reinhardshausen, als Stadtteil von Bad Wildungen, hat sich in kurzer Zeit zu einem Ort mit Stadtkern gewandelt. Dabei sind die Einwohnerzahlen nicht nennenswert gestiegen. Wie das geht? Meine Schwester und ich besuchen den sonderbaren Ortsteil Reinhardshausen mit all seinen Eigenheiten und stellen ihn vor.

Einst war Reinhardhausen ein normales, kleines Dorf wie viele rund um Bad Wildungen. Landwirtschaft prägte den Arbeitsalltag und einige Handwerker verrichteten die notwendigen Arbeiten des Alltags. Vor 130 Jahren begann die Wende. Die Reinhardsquelle wurde als Heilquelle entdeckt und Reinhardshausen entwickelte sich seither als Kurort.

Reinhardshausen heute

Heute ist der Ort Reinhardshausen umringt von 13 großen Kliniken mit insgesamt 5000 Betten. Damit hat Reinhardshausen mehr als 3 ½ mal so viele Klinikbetten wie Einwohner. Hinzu kommen zahllose Touristen als Tagesgäste oder Gäste in Pensionen. Kurz: Reinhardshausen hat so viele Bewohner wie eine kleine Stadt, aber nur wenige Einwohner. Landwirtschaft prägt den Ort schon lange nicht mehr.

Auf Entdeckungstour

Wir stehen mitten im Ort, zwischen Kurpark und Touristeninformation. Übrigens: Reinhardshausen hat ein eigenes Schwimmbad – es ist sogar das einzige Schwimmbad von Bad Wildungen, das derzeit geöffnet ist. Es gehört zum „Göbel‘s Hotel AquaVita“, kann aber von jedem besucht werden. Wir entscheiden uns zunächst für den Kurpark und flanieren auf einer der zahllosen kleinen Alleen im Grünen durch den Park. Das Wetter ist herrlich und die Luft ist frisch, leider jedoch so früh im Jahr noch recht kalt. Der Ort erwacht aus dem Winterschlaf und putzt sich heraus. Alleebäume säumen die Gehwege und führen uns zur Wandelhalle. Wir laufen ein Stück um das flache Gebäude. Es wirkt irgendwie schüchtern, geduckt und scheint sich verstecken zu wollen. Diese Wandelhalle widerspricht vielen Prunkbauten anderer Kurstädte. Uns gefällt der Respekt vor der grandiosen Natur, die den kompletten Ort umgibt.

Der Ort, der alles verändert

Wir betreten die Wandelhalle und treffen auf die Heilwasser-Ausgabe. Hier kannst du das berühmte Wasser der Reinhardsquelle trinken. Wenn du
das Heilwasser nicht kennst, schmeckt es dir sicher etwas fremd. Es hat einen starken Eigen-
geschmack durch die vielen, gesunden Mineralstoffe. Angenehm prickelnd ist die natürliche Kohlensäure des Wassers. Reinhardshausen entwickelte sich genau hier, an diesem Ort, durch dieses Wasser zu jener schmucken Perle. Die Wandelhalle zeigt uns ihre wahre Größe erst von innen. Wir gehen weiter und stehen in einem Kinosaal, in dem die Kurverwaltung regelmäßig Filmklassiker zeigt.

Danach durchqueren wir den großen, einladenden Veranstaltungssaal. Heute Vormittag ist er leer, jedoch finden hier regelmäßig Veranstaltungen jeder Art statt. Von außen wirst du kaum vermuten, solch weitläufige Räume zu finden. Der schmucke Marmorboden und das Ambiente des Raumes versprühen einen sympathischen Retro-Charme, der nicht altbacken wirkt, sondern klassisch-stilvoll an die Zeit erinnert, in der das Gebäude entstand. Wir fühlen uns wohl, und irgendwie wirkt alles vertraut.

Zwei Personen laufen auf einem Weg bei der Quellentherme.
Die Quellentherme in Reinhardshausen gehört zum „Göbel’s Hotel Aquavita“, ist jedoch für jeden Besucher geöffnet. Eine willkommene Alternative zum derzeit geschlossenen Schwimmbad in Bad Wildungen.
Natur genießen

Kurzerhand verlassen wir die Wandelhalle und flanieren weiter im schönen Kurpark mit seinen exotischen, großen Bäumen. Bald treffen wir auf einen Teich mit Flamingos. Sie nehmen gerade ihr Frühstück zu sich und bereichern den Kurpark mit Farben und exotischem Flair.

Wir schlendern wieder in Richtung Ortsmitte durch die Parkanlage, vorbei an einem großen Teich mit quirligen Enten und Schwänen. Wir müssen sie enttäuschen, da wir kein Futter für sie haben. Sie sind etwas beleidigt.

Am Ende des Kurparks treffen wir auf eine skurrile Skulptur, die „Rote Dame“. Zugegeben, sie trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, aber muss Kunst und Kultur immer salonfähig sein? Wie langweilig wäre das? Uns erheitert die Dame, und wir blödeln ein bisschen mit ihr herum. Die Statue stammt von der Künstlerin Karin Bohrmann. Die schrille Farbe und der plumpe Körperbau wirken wenig einladend, stellen aber den Menschen endlich mal so dar, wie es die Natur vorgibt. Die Botschaft könnte lauten: „Zeige dich, wie du bist: Du bist ein Wunder der Schöpfung.“

Die „City“ im Dorf

Wir befinden uns wieder in der Ortsmitte. Vor uns liegt die Touristeninformation mit großem Vorplatz und dem Schwimmbad. Hättest du geahnt, ein solches Informationsangebot in einem Dorf mit knapp über 1000 Einwohnern zu finden? In Reinhardshausen ist das möglich. Das Gebäude ist im klassischen Stil der 1990er Jahre gestaltet und harmonisiert mit dem angrenzenden Hotel Aqua Vita im gleichen Look. Der Eingang wirkt etwas zaghaft durch eine simple Doppelflügeltür, innen offenbart sich aber sofort ein imposanterer Eindruck. Leicht erhöht blickst du auf ein Foyer mit zahlreichen Möglichkeiten, weiterzulaufen. Direkt voraus beginnt ein Gang zu einigen Angeboten des Hotels. Seitlich findest du die Touristeninfo, einen Friseur und den Zugang zum Schwimmbad. Was uns besonders gefällt: In der Zeitschriftenauslage erblicken wir das aktuelle edlake-Magazin.

Zwei Personen laufen einen Weg entlang.
Alleebäume säumen die Wege durch Europas größten Kurpark. Hier kannst du in wunderbarer Umgebung entspannen.
Nordischer Style

Das schöne Wetter zieht uns wieder nach draußen. Wir beschließen, die Hauptstraße zu erkunden. Beim Blick in die Einkaufsstraße fällt uns ein sympathischer, nordischer Flair auf. Fast haben wir das Gefühl, irgendwo in Schweden oder Norwegen Urlaub zu machen, wären da nicht einige prächtige, gut gepflegte Fachwerkhäuser. Sie stören jedoch nicht das Bild. Im Gegenteil: Sie bereichern den Ortskern, lassen ihn bunter erscheinen und zeigen uns die Historie des alten Dorfes. Noch sind die Straßen leer. Es ist früher Vormittag an einem Wintertag. Bald wird die Straße hier mit Menschen gefüllt sein. Die zahlreichen Straßencafés, Boutiquen und Restaurants werden sich vor Betriebsamkeit kaum retten können. Nach Ladenschluss werden die Bürgersteige noch lange nicht hochgeklappt. Reinhardshausen hat eine jahrzehntelang gewachsene Kneipenkultur mit Tanzbars und jeder Menge Spaß.

Wir gehen geradewegs auf das „Café Pinocchio“ zu. Genussvoll trinken wir einen Cappuccino und beobachten das Treiben auf den Straßen. Wunderbar! Die Einkaufsmeile in Reinhardshausen ist nicht lang, für einen Ort dieser Größe jedoch absolut bemerkenswert. Du findest Blumenläden, feine Boutiquen, Lebensmittel, Banken oder Kunsthandwerk. Schlichtweg alles, was zu einer Flaniermeile gehört.

Für das seelische Wohl

Die Kirchen stellen sich in Reinhardshausen groß auf. Bedenke, in den Kliniken leben viele Menschen mit Krankheiten, die Trost suchen. Du findest hier zwei große Kirchen, eine evangelische und eine katholische. Beide sind modern gestaltet und besonders von innen sehenswert. Einladend gestaltet und lebensfroh, begegnen wir einem freundlichen Ambiente. Die Kurseelsorge kümmert sich zudem um jene Menschen, die nicht in der Lage sind, die Kirchen zu besuchen.

Der kleine Kurpark

Hinter der evangelischen Kirche besuchen wir ein oft vergessenes Kleinod: den kleinen Kurpark. Dieser ist wirklich klein, aber sehenswert. Attraktiv ist eine wenig bekannte Heilquelle, die erst spät entdeckt wurde, die Prozessquelle. In den warmen Monaten kannst du hier ebenfalls Wasser zapfen und trinken. Den Zapfhahn für das Heilwasser findest du außen, nicht innen, wie bei der Reinhardsquelle. Koste es!

Im kleinen Kurpark findest du eine Liegewiese mit markant designten Sportgeräten und einer Holzliege. Zugegeben: Die Holzliege ist eher zur Zierde geeignet als zum Relaxen. Wir haben sie jedenfalls wieder schnell verlassen. Auf den Sportgeräten haben wir allerdings eine Menge Spaß.

edlake-Fazit

Wir sind nun am Ende unseres Städtetrips. Wir hatten Spaß und sind positiv überrascht, was dieser kleine Ort zu bieten hat. Warum aber machen wir ein Stadtporträt über ein Dorf? Nun, wie gesagt, es ist schlichtweg die Einwohnerzahl, die Reinhardshausen von einer Stadt unterscheidet. Das pure Landleben wirst du hier nicht finden, wohl aber einen bezaubernden kleinen Ort mit all den Vorzügen einer Stadt. Sei es nur ein Geldautomat, den du in einem Dorf kaum finden wirst. Erwähnenswert ist auch die fantastische Infrastruktur durch den öffentlichen Nahverkehr. Die Verbindungen mit Bussen lassen keine Wünsche offen. So kommst du in kurzer Zeit zu weiteren attraktiven Zielen im Umland, wie Bad Wildungen, oder an den Edersee. Du suchst trotzdem das Dorfleben? Dann laufe doch einfach zum Nachbardorf Albertshausen in Sichtweite. Dort findest du ein gepflegtes, attraktives Dorf, das ein willkommenes Kontrastprogramm zum modernen Reinhardshausen bietet und dir unbezahlbare Fotospots schenkt. Wir haben einen Ausflug in die überwältigende Natur des Nachbarorts in dieser edlake-Ausgabe ab Seite 50 beschrieben.

edlake-Tipp​

Der Kurpark Reinhardshausen ist direkt mit dem Kurpark von Bad Wildungen zum größten Kurpark Europas verbunden. Du kannst hier problemlos eine Tagesetappe mit zahlreichen Kontrasten und Eindrücken planen. Der Kurpark war einst Teil der Landesgartenschau von 2006. Durch die hervorragenden Busverbindungen zwischen Bad Wildungen und Reinhardshausen und die gute Beschilderung im riesigen Kurpark kannst du sorgenfrei in den Tag durch den Park spazieren.

Weitere Informationen erhaltet ihr hier:
www.bad-wildungen.de/entdecken/stadtteile/reinhardshausen/

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