Frau Lauterbach vor einem Regal gefüllt mit Alkohol
Im eigenen Hofladen werden die Brände gemeinsam mit anderen regionalen Produkten vertrieben. Foto: Kristin Nebel

Alle ziehen an einem Strang – Hof Lauterbach

Das Hofgut Lauterbach unweit der Hansestadt Korbach betreibt bis heute eine der ältesten Kornbrennereien Hessens. Wie schafft ein solches Traditionsunternehmen den Sprung in die Moderne? Ich wollte es wissen und habe die Familie Wittmer-Eigenbrodt besucht.

Es ist 8.05 Uhr an einem Donnerstagmorgen, als ich die Hofeinfahrt passiere und auf das imposante Hauptgebäude zusteuere. Ursprünglich stand hier einmal eine Wasserburg, heute fährt man einem stattlichen Herrenhaus entgegen. Es ist gar nicht so leicht, sich hier zu orientieren.

Doch vor einem Gebäude im linken Wirtschaftsflügel steht landwirtschaftliches Gerät, und durch die geöffnete Türe trägt einem der Schall die Laute geschäftigen Treibens entgegen – hier bin ich richtig.

Lange Tradition

Seit 1768 befindet sich das Hofgut Lauterbach im Besitz der Familie Eigenbrodt und seit 1786 gibt es dort eine Destillerie. Neben der Landwirtschaft, die heute bereits in der achten Generation betrieben wird, war die Brennerei seit jeher ein wichtiger Betriebszweig und Teil des Familienerbes.

Gitta Wittmer-Eigenbrodt berät ihre Kunden im Hofgut Lauterbach
Immer gut beraten – Gitta Wittmer-Eigenbrodt findet für alle Kunden das richtige Produkt.
Junge Generation

Jakob Wittmer-Eigenbrodt gehört mit seinen Schwestern Marie und Lina derzeit zur jüngsten Generation, die nun Verantwortung im Unternehmen übernimmt. Er ist es auch, der uns an diesem Morgen mit einem „Ich bin gleich bei dir!“ begrüßt und noch einmal kurz einige Einstellungen am Brenngerät überprüft, bevor er tatsächlich mit seiner Aufmerksamkeit vollends da ist.

Bis vor wenigen Jahren war in Lauterbach noch unter Verschluss gebrannt worden. Das bedeutet, dass alle Geräte verplombt waren und sie mit ihrem eigenen Produkt eigentlich gar nicht in Kontakt kamen. Zur Veredlung wurde der Rohalkohol dann wieder von der Monopolverwaltung zurückgekauft.

edlake Tipp

Wem beim Mischen von Cocktails und Longdrinks die Inspiration fehlt, der muss nur einmal auf der Instagram-Seite @kornbrennerei_hof_lauterbach vorbeischauen.

Lina Wittmer-Eigenbrodt hat sich hier nämlich ausgetobt und gibt viele Anregungen inklusive Rezepte zum Nachmixen und Ausprobieren.

Neue Wege

Heute ist dies dank des Wegfalls des Branntweinmonopols leichter, denn der 25-Jährige und sein Vater Karl, die gemeinsam für die Herstellung verantwortlich sind, können alle Schritte des Brennens durchführen und begleiten.

Für die Familie war dies in Kombination mit dem geänderten Alkoholsteuergesetz 2018 die Chance auf Veränderung, denn die Verschlussbrennerei hatte sich schon seit Jahren nicht mehr richtig gelohnt.

Auch jetzt, nach dem sogenannten Abfindungsbrennrecht, ist das Destillieren des Alkohols an viele Auflagen gebunden, und der gewünschte Termin muss vom Zoll freigegeben werden. „Manchmal steht sogar unangemeldet Besuch vor der Tür“, erklärt Jakob.

Kreative Ideen

Nichtsdestotrotz lädt diese neue Art des Brennens dazu ein, kreativ zu werden und sich auszuprobieren. So wird in Lauterbach neben den klassischen Obst- und Kornbränden inzwischen auch Gin gebrannt. Die Auswahl an Likören hat in den letzten Jahren deutlich Zuwachs erhalten. Hinter Namen wie „Sommer“ oder „Winterzeit“ verbergen sich leichte und fruchtige Getränke auf Korn-Basis, die sich prima für Longdrinks und Punsche eignen.

Natürlich bleiben aber absolute Klassiker, wie der „Lauterbacher Strumpf“, der „Zwetsch“ oder der „Kakao-Nuss“ weiter im Sortiment.
Es gibt allerdings Überlegungen, das Sortiment noch einmal zu erweitern: „Wir haben viele Ideen“, sagt Jakob Wittmer-Eigenbrodt. Er würde sich gerne in den nächsten Jahren einmal am Brennen von Whisky versuchen.

Jakob Wittmer-Eigenbrodt kümmert sich um die Brennerei
Jakob Wittmer-Eigenbrodt kümmert sich zusammen mit seinem Vater Karl um die Brennerei. Jeder Schritt bis zum fertigen Produkt wird geprüft und überwacht. Foto: Kristin Nebel
Interessante Veranstaltungen

Und wird es auch weiterhin wieder Veranstaltungen geben? Die Besichtigungen auf Hof Lauterbach waren immer sehr beliebt, doch im alten Stil wird es diese wohl nicht mehr geben.

Stattdessen soll es nun mit der neuen Destillerie in Richtung Event-Brennerei gehen. „Das war eigentlich von Anfang an die Idee, aber dann kam Corona“, erklärt Mutter Gitta Wittmer-Eigenbrodt. Sie ist allerdings zuversichtlich: Das kommt schon noch. Bereits jetzt besteht die Möglichkeit, sich mit Kleingruppen zu einem Brenntermin anzumelden und sich von Jakob oder Karl Wittmer-Eigenbrodt in die Technik einführen zu lassen.

Leckere Spezialitäten

Immer möglich ist der Besuch im Hofladen des Gutshauses, der mehrmals die Woche geöffnet hat (siehe Kasten). Hier sind wir im Revier von Gitta Wittmer-Eigenbrodt, die den Austausch mit den Kunden liebt. Neben den eigenen Bränden werden hier auch einige andere Produkte von regionalen Direktvermarktern angeboten.

Und auf Handwerk und Regionalität legt man auf Hof Lauterbach viel Wert. „Wir stehen lieber bei regionalen Partnerunternehmen in den Geschäften, als bei großen Supermarktketten als Massenware gelistet zu werden“, betont sie. Deshalb freut sie sich umso mehr, wenn Menschen, die hier in der Region auf den Geschmack gekommen sind, bei ihnen anfragen, ob nicht doch mal ausnahmsweise ein Versand möglich wäre. „Wir haben zwar keinen Onlineshop, aber solche Wünsche erfüllen wir gerne“, erklärt sie lächelnd.

Familie Wittmer-Eigenbrodt vom Hofgut Lauterbach
Ein starkes Team: Karl Wittmer-Eigenbrodt (v.l.) mit seiner Frau Gitta und ihren Kindern Lina, Marie und Jakob. Foto: Marco Landau
Gesicherte Zukunft

Nach einem ganzen Vormittag auf Hof Lauterbach weiß man: Tradition und Moderne leben hier dicht beieinander. Ich habe jedoch nicht das Gefühl, dass hier übermäßig am Alten hängen geblieben wird. Vielmehr geht es darum, viele gute Sachen mit neuen Dingen zu verbinden.

Und das gelingt, weil hier eine ganze Familie an einem Strang zieht und jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt, nicht nur, um den Fortbestand des Hofguts zu sichern, sondern um es auch für die Zukunft besser aufzustellen.
„Es ist leider inzwischen selten, aber es macht wirklich allen Spaß!“ sagt die 22-jährige Lina, während ihr Bruder das zweite Mal an diesem Tag die Maische einfüllt, um einen neuen Brand anzusetzen. Liebe Lina, das merkt man! Vielen Dank, dass ich euch begleiten durfte.

Mehr Informationen zu Hof Lauterbach findet ihr auf:
hof-lauterbach.de oder in den sozialen Medien

Öffnungszeiten Hofladen

Der hofeigene Laden ist in Lauterbach am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag von
08.30 bis 12.00 Uhr
geöffnet und zusätzlich noch freitags von 15.00-18.00 Uhr.
Eine Auswahl an Bränden vom Hofgut Lauterbach

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