Bergwacht Willingen: Retten aus Leidenschaft

Eltern kennen sie, die Paw Patrol. Helden, die mit coolen Quads wagemutig ins Abenteuer stürzen, um andere in Not zu retten. Im Gespräch mit Philipp Humpert kommen uns diese Bilder sofort in den Sinn. Voller Elan erzählt er uns von seinem ehrenamtlichen Job bei der Bergwacht. Wir sind beeindruckt.

Philipp ist ehrenamtlicher Helfer der Bergwacht in Willingen, einer von zwei Bereitschaften im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Er brennt merklich für seine Mission. Für uns ist es ein Genuss, ihm zuzuhören. Schnell kommen wir ins Gespräch.

Redaktion: Philipp, unser Wunsch ist es, den
Lesern die Bergwacht mit ihren Aufgaben näherzubringen, sowie hinter die Kulissen zu blicken. Erzähle uns doch bitte, was eure Aufgabenbereiche sind.

Philipp: Vor Ort übernehmen wir mehrere wichtige Aufgaben. Wir sind als Rettungsteam spezialisiert, Personen in schwer zugänglichen Gegenden zu retten. Hier in Willingen betrifft das vor allem im Winter die Skilifte und Loipen, sowie die Mountainbike-Strecken an den Steilhängen im Sommer. Auch Gleitschirmflieger fordern unseren Einsatz. Leider passieren hier regelmäßig teils schwere Unfälle.

Wir übernehmen die Höhenrettung. Das ist oftmals wirklich spektakulär, wenn wir frei am Seil arbeiten oder per Hubschrauber die Personenrettung übernehmen.

Redaktion: Dann habt ihr sicher oft mit schwerverletzten Personen zu tun. Übernehmt ihr auch die medizinische Erstversorgung oder lediglich die Rettung aus dem Gelände?

Philipp: Also die medizinische Versorgung stellt einen bedeutenden Part unserer Arbeit dar. Unsere medizinischen Aufgaben gehen weit über die normale erste Hilfe hinaus. Sie ist ein wichtiger Teil unserer Ausbildung.

edlake-Info

DRK Landesverband Hessen e. V.
Bergwacht Hessen – Bereitschaft Willingen
Bachstraße 1
34508 Willingen

Redaktion: Wie organisiert ihr euch und wie groß ist eure Bereitschaft?

Philipp: In Willingen sind wir 50 Mitglieder, von denen 20 bis 25 Mitglieder aktiv Einsätze fahren. In unserer Bereitschaft haben wir sechs ausgebildete Luftretter für Hubschraubereinsätze. Einen eigenen Hubschrauber besitzen wir natürlich nicht. Wir kommen bei Lufteinsätzen der Landes- oder Bundespolizei sowie zusammen mit dem Notarzt zum Einsatz. In der Regel fahren wir jedoch mit unseren Fahrzeugen an die Unfallstelle. Wir besitzen zwei Bullis und zwei ATV-Quads für schwierigeres Gelände.

Redaktion: Wie viele Einsätze habt ihr im Schnitt?

Philipp: Wir haben pro Jahr ungefähr 250 Einsätze. In diesem Jahr waren es in der ersten Jahreshälfte bereits 150 Rettungseinsätze bei unserer Wache.

Redaktion: Das ist wirklich viel, mehr als wir denken. Dann seid ihr aber sicher auch auf freiwillige Helfer und vor allem Nachwuchs angewiesen. Betreibt ihr auch aktive Jugendarbeit?

Philipp: Oh ja! Die Jugendarbeit ist ein wichtiger Pfeiler unserer Arbeit. Glücklicherweise kennen wir keine Nachwuchsschwierigkeiten, wie bei den meisten anderen Organisationen. Unsere Jugend ist sehr aktiv und motiviert. Mitmachen kann jeder. Wir nehmen bereits Kinder ab sechs Jahren auf und haben in Willingen zwei Jugendgruppen. Die einzige Voraussetzung ist eine gute körperliche Fitness. Die Ausbildung besteht aus drei Modulen und ist bundesweit einheitlich.

Im ersten Modul lernen die frischen Helfer die Sommerrettung mit der Seilrettung. Das zweite Modul dreht sich dann um die Winterrettung, auch um Rettung aus Gletschern und Lawinen. Der letzte, wichtige Teil behandelt schließlich über einhundert Stunden die Notfallmedizin. Für diese Grundausbildung brauchen die Helfer ein bis zwei Jahre Zeit.

Redaktion: Bei solch intensiver Grundausbildung und den zahlreichen Einsätzen seid ihr ja ständig im Training. Organisiert ihr zusätzlich noch Übungen? Und wie seid ihr strukturiert? Habt ihr eine Hierarchie bei euren Einsätzen?

Philipp: Meist sind wir mit zwei Helfern am Einsatzort, dazu brauchen wir keine Struktur. Bei großen Einsätzen pflegen wir dann eine Einsatzleitung, der dann normalerweise fünf Helfer unterstehen. Das ist aber eher selten.

Wichtig ist, dass wir grundsätzlich ehrenamtlich arbeiten. Wir unterhalten eine Wache, ähnlich wie bei der Feuerwehr, die im Winter und an den Wochenenden ständig von zwei Einsatzkräften besetzt ist. Im Winter bekommen wir bei Bedarf Unterstützung von hauptamtlichen Helfern der Stiftung „Sicherheit im Skisport“.

Alle zwei Wochen, mittwochs abends, organisieren wir Dienstabende, an denen wir trotz zahlreicher Einsätze Übungen veranstalten. Oft geht es dabei um Rettung am Seil oder eine Auffrischung im medizinischen Wissen. Zusammen mit der Polizei üben wir zudem auch die Luftrettung. Darüber hinaus besuchen wir unterschiedliche Lehrgänge, um unser Wissen zu vertiefen.
Dankbarkeit

Damit beenden wir unser eindrucksvolles Gespräch mit Philipp Humpert. Er gab uns tiefe Einblicke in die Arbeit der Bergwacht in Willingen. Einmal mehr wird uns klar, welch wichtige Aufgaben das Ehrenamt übernimmt. Viel zu selbstverständlich werden die vielen Helden des Alltags wahrgenommen. Ehrenamt ist nicht bloß ein Dienst an unserer Gesellschaft. Vielmehr ist es aufopfernde, soziale Arbeit von Menschen, deren Leben einen tieferen Sinn hat. Es ist ein Einsatz für die Menschlichkeit von Menschen, die von Begriffen wie sozialem Zusammenhalt oder gesellschaftlichem Einsatz nicht nur reden, sondern sie leben. Wir danken allen Mitgliedern der Bergwacht in unserem Landkreis für den beispiellosen Einsatz. Sie zeigen uns, dass es sich lohnt, füreinander einzustehen, anstatt zu hassen. Uns ist klar, dass es unzählige weitere ehrenamtliche Organisationen gibt, und wir werden dich weiter über deren Arbeit informieren.

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