Fotos: © ProSieben/Willi Weber – TV-Total WOK-WM in WInterberg
Fotos: © ProSieben/Willi Weber

„Zuversicht & pure Angst“ – Die TV total WOK-WM in Winterberg

Feuer, Eis und polierter Stahl – nein, wir tauchen nicht ein in die Welt von Game of Thrones, sondern besteigen den Wok-Olymp zu Winterberg. Am 12. November war es wieder so weit. Nach sieben Jahren Pause fand in der Veltins-Eis-Arena die 14. TV total Wok-WM statt. „Aufgewacht aus dem Winterschlaf“, wie es Moderator Elton beschrieb. Fast sieben Millionen Zuschauer verfolgten das Rennen an den Fernsehgeräten und 5.000 Besucher live vor Ort in Winterberg.

Über Wochen wurde die Strecke in der Veltins-Eis-Arena auf das Ausnahme-Event vorbereitet. Manuel Machata, der ehemalige Bobfahrer und Bahnbeauftragte der Wok-WM, versprach, „dass die Bahn am Abend besonders schnell“ sei. Das Eisprofil wurde speziell angepasst, damit die Bahn, vor allem in der berüchtigten Kurve 9, auch sicher genug ist. Bis zu 5 g Belastung (also das 5-Fache der Erdanziehung) können dort auf die Fahrerinnen und Fahrer wirken. Und Sicherheit ist wichtig, denn im Wok „übergibt man einen Großteil der Kontrolle an den Zufall“, wie sich Kommentator Ron Ringguth ausdrückt. So ein Wok sei „nicht wie ein normaler Bob“ zu lenken.

50 Prominente aus 11 Nationen in Winterberg zur WOK-WM

Das mag vermutlich einer der Gründe dafür sein, dass das Reglement in diesem Jahr nochmals verschärft wurde. Im Gegensatz zu den Wok-WM‘s der Vergangenheit durften die Schüsseln nicht mehr bearbeitet werden. Die Fahrer erhielten ihre genormten und ausschließlich polierten Schlitten erst zum Start. Weder das beliebte Vorheizen der gewölbten Eisen noch die – nun, sagen wir unbegrenzte – Gewichtsoptimierung waren gestattet. 140 Kilogramm – so das Maximalgewicht eines Einzel-Woks inklusive Fahrer. Vorbei die Zeiten, in denen Joey Kelly, übrigens der erfolgreichste noch aktive Teilnehmer, es mittels Zusatzgewichten auf fast schon adipöse 180 Kilogramm schaffte und damit aus der 2. Wok-WM als Sieger hervorging.

„… nichts für Schlappschwänze“

TV-total-Moderator Sebastian „Puffi“ Puffpaff fiel an dem Abend leider aus, nachdem er sich bei einem Fahrradunfall mehrere Rippen gebrochen hatte. Spott und Hohn statt des erhofften Schampus und Ruhms prasselten bereits Tage vor der WM auf ihn ein. Michael „Bully“ Herbig, der den lädierten Puffpaff einige Tage zuvor bei TV total als Moderator vertrat, sang dort ein sichtlich schadenfrohes „…Rippenbruch. Vierfacher Rippenbruch ….“ in die Kameras.

Ein kleiner Seitenhieb sei daher auch an dieser Stelle gestattet. Hätte sich Puffpaff nicht schon vor der Wok-WM mit seinem Fahrradunfall ins Aus geschossen, spätestens beim Qualifying hätte er seinen Rippen den Rest gegeben. Denn das neuartige „Wok Run Jump Sliding“ ging am Vorabend der WM nah an die Belastungsgrenzen. So endete das Pfannen-Spektakel für Sila Sahin bereits an diesem Abend, als sie sich ihr Steißbein prellte. Aber wie hatte sie es selbst zuvor so treffend formuliert: „Das hier ist nichts für Schlappschwänze!“

Jolina Mennen am Start ihrer Strecke in ihrem Wok
Fotos: © ProSieben/Willi Weber – Mäßige Kontrolle über den polierten Wok wird mit Zuversicht und Siegeswillen ausgeglichen: die Drittplatzierte im 1er-Wok, Jolina Mennen, beim Start in den Eiskanal.
Bäuchlings auf dem Wok

Wie es dazu kam? Beim Wok Jump Run Sliding nahmen die Sportler von der Bühne aus Anlauf und sprangen mit dem Bauch zuerst auf einen Wok-Schlitten, auf dem eine Matte befestigt war. Wer mit der Kraft seines Schwunges und mit beherztem Paddeln am schnellsten die Eisbahn entlangschlidderte, gewann und sicherte sich seine Startposition für das Rennen. Im 1er-Wok erreichte Fabian Hambüchen Platz 1 und im 4er-Wok sicherte sich das lautstarke Team USA die Pole-Position. Wobei Pole-Position an sich leicht irreführend ist, denn die Teilnehmer starteten in umgekehrter Reihenfolge. Fabian Hambüchen bestieg demnach als Letzter den Wok. Die Eisbahn hat nämlich die Eigenschaft, von Fahrt zu Fahrt schneller zu werden, weshalb der letzte Starter daher die besten Bedingungen vorfindet.

Beste Bedingungen oder vielmehr beste Stimmung schafften auch die 5.000 Zuschauer entlang der etwa 1,6 Kilometer langen Strecke. Dicht gedrängt an der Bahn, konnten sie es kaum erwarten, die legendäre Atmosphäre der vorbeirauschenden Wok-Athleten zu erleben. Wobei DIE Legende schlechthin, Georg Hackel, nur als Ehrengast vor Ort war. Er wollte seine „vom Leistungssport gebeutelten Knochen schonen und Platz machen für die Wok-Jugend“.

Waghalsige Wetten und verspielte Taktik

Dafür ging in diesem Jahr mit dem Team Polen erstmals ein rein weiblich besetzter Wok an den Start. Eine der Damen, Sarah Bora, hatte eine ganz besondere Motivation vorzuweisen. Mit ihrem Ehemann, Eko Fresh, der für Team Türkei in der Schüssel Platz nahm, hatte Sarah eine durchaus einsatzstarke Wette am Laufen. Sollte sie verlieren, bekommt ihr Mann einen Monat lang das Frühstück gemacht. Sollte jedoch Eko Fresh verlieren, muss er einen Monat lang das Haus mit der Zahnbürste putzen.

Der Schotte Nathan Evans weihte den Eiskanal endlich ein, nachdem er beim Qualifying grandioser Letzter wurde. Trotz seiner vielversprechenden (mit einem Augenzwinkern verkündeten) Taktik, als Erster zu starten und auf Platz eins ins Ziel zu kommen, reichte es für ihn nicht fürs Podest. Vielleicht auch, weil er einen Großteil der Strecke rückwärts unterwegs war.

Anspannung größer als bei Olympia

Nachdem Manni Ludolf im ersten Durchgang kurzzeitig auf Platz 1 fuhr, reichte es für ihn am Ende nur für einen mittleren Rang. Für Paul Janke und Filip Pavlovic endete das Erlebnis 1er-Wok bereits nach der ersten Runde. Auch Olympiasieger Fabian Hambüchen, der einige Tage zuvor noch in einem lokalen Fitnessstudio seinen Körper gestählt hatte, kam ins Schleudern, drehte sich und schaffte es am Ende nicht aufs Treppchen. Beim Start hatte er Co-Moderator Icke Dommisch noch verraten, dass seine „Anspannung vom Gefühl her größer“ sei „als bei Olympia“. Glorreiche Sieger im 1er-Wok waren schließlich Joey Kelly mit 89 km/h als Weltmeister, gefolgt von Lucas Cordalis und Jolina Mennen.

Mit dem Beginn der 4er-Wok-Rennen trat das Event in die heiße Phase ein. Jetzt begann die Zeit der hohen Geschwindigkeiten und potenziellen Stürze in Kurve 9. Ron Ringguth brachte es auf den Punkt: „Die Gesichter, wenn man hier durch die Visiere durchschaut, sind eine Mischung aus Zuversicht und purer Angst.“

Fotos: © ProSieben/Willi Weber

Im Adrenalinrausch und Freudentaumel

Joey Kelly (Mitte), der alte Wok-Hase und routinierte Sieger auf Rang 1. Lucas Cordalis (links) mit der verdienten Silbermedaille und Jolina Mennen (rechts) stolze Drittplatzierte.

Schwer, wild und erfolglos

Diese Gefühle trafen sicher auch auf die Wette von Sarah Bora und Eko Fresh zu. Team Polen mit Sarah läutete den ersten Durchgang ein. Doch obwohl sie in Kurve 9 kurz auf der Seite lagen und sich gekonnt wieder stabilisieren konnten, schieden sie mit ihrer Zeit von 1:05.58 direkt aus. Das war es dann mit dem mit Zahnbürsten gereinigten Haus für Sarah. Team Türkei zog mit 1:00.96 direkt an ihnen vorbei.

Team USA wurde von Beginn an als einer der Favoriten gehandelt. Die Bande war schwer und mit Football-Spielern besetzt. Doch die Vorzeichen ließen während des Starts bereits andere Vermutungen zu: „Ich habe mich überhaupt nicht vorbereitet. Ich bin hier zum Chillen und Spaß haben“, so Anthony Dable. Und so reichte es für die wilden Amerikaner um Evil Jared am Ende auch nur für Rang vier.

Germany: volle Punktzahl

Kurz sah es für das TV-Total-Team „Deutschland 1“ brenzlig aus. In Kurve 9 lagen sie lange auf der Seite, schafften es aber, sich wieder zu berappeln und am Ende auf Rang 3 zu landen.

106,6 km/h schnell und neue Weltmeister im 4er-Wok waren schlussendlich „Team Deutschland 3“ mit Evi Sachenbacher-Stehle, Francesco Friedrich, Felix von Jascheroff und Johannes Ludwig. Silber erreichten „Team Deutschland 2“, die Athleten vom Zoll.

Die Siegerposen von Sebastian Puffpaff, in denen er sich Tage zuvor bereits in Winterberg präsentierte, und die Chöre der Begeisterung, vor denen er sich sah, blieben unterdessen leider nur ein Wunschtraum. Den Pokal holten sich andere. Doch wie sagte es eine rosarote Comicfigur einst: „Heute ist nicht alle Tage; ich komm wieder, keine Frage.“  

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