Wir treffen uns an der Grillhütte in Hundsdorf. Die Kinder sind aufgeregt und fangen sofort an, uns über ihren Wald zu erzählen. Wir sind im „kleinen Wäldchen“. Hier sind die Kellerwaldkids zuhause, um die Natur zu entdecken. Sie tragen Matschklamotten, denn sie werden hier zu kleinen Waldarbeitern.
Leider regnet es leicht, als wir uns treffen. Die Bande ist kaum zu halten. Die Kellerwaldkids rennen los in den Wald, voller Tatendrang. Sobald die Kids im Wald sind, hört wie bestellt der Regen auf und die Sonne bricht aus der Wolken-decke. Monika Niemeyer bestätigt uns, es sei grundsätzlich so, dass die Sonne scheint, wenn die Kids den Wald stürmen, als wäre es Magie. Was haben sie vor? Die Frage ist schnell geklärt: Sie wollen ein Waldhaus bauen. Die meisten der Kids bauten bereits eins. Dann entschließen sie sich jedoch, lieber ein Waldsofa zu bauen. Sie weisen uns an, keine Verstecke anzurühren, die sie zuvor bauten. Monika Priester und Monika Niemeyer rufen zum Äste sammeln. Wir sind gespannt, denn noch wissen wir nicht, was ein Waldsofa ist.
Zu den Anfängen
Monika Niemeyer gründete die Kellerwaldkids im März 2017, damals noch in Battenhausen. Monika ist Försterin und Waldpädagogin. Monika Priester kam seinerzeit im Rahmen eines Praktikums als Pädagogin dazu. Seit 2020 treffen sich die Kids jetzt in Hundsdorf. Die Kellerwaldkids sind dem Verein für Forst- und Regionalgeschichte im Kellerwald angegliedert. Dadurch erhalten sie auch einen Vereinsraum im Forstmuseum Hundsdorf (s. edlake 14, ab Seite 58). Den Vereinsraum nutzen die Kids selten. Viel schöner ist es draußen im Wald. Oft nutzen sie allerdings die große Scheune am Museum zum Basteln und Bauen, falls die Sonne mal nicht am Himmel stehen sollte.
Monika Niemeyer liegt es am Herzen, den Kindern die Natur näherzubringen. Sie erleben spielerisch den Wald, mit seiner Flora und Fauna. Es ist ihr wichtig, keinen Frontalunterricht zu leisten, sondern dass die Kids den Wald als Teil ihres Lebens sehen.
Das Projekt Zauberwald
Kinder helfen Kindern. Der Kindergarten im benachbarten Löhlbach hatte einen Wald, in dem die Kinder zum Spielen waren. Inzwischen ist das Waldstück durch Totholz für den Kindergarten nicht mehr nutzbar, es ist einfach zu gefährlich. Monika Niemeyer sagt: „Dort ist eine Fläche, die ist noch nicht wunderschön, da werden wir etwas handwerken, etwas sägen, ein Waldsofa bauen, vielleicht ein paar Bilderrahmen bauen, mit Kreide die Bäume anmalen und noch andere schöne Sachen für den Kindergarten machen.“
Eine Eule ist immer dabei
Monika Niemeyers ständige Begleiterin ist immer dabei: ihre Eule. Eule ist ihr Hund, eine Deutsche Bracke. Für die Kinder gehört sie zu den Kellerwaldkids, wie jeder andere auch. Eule fühlt sich sichtlich wohl und ist ein echter Jagdhund.
Betriebsamkeit im kleinen Wäldchen
Die Kids beeindrucken uns mit ihrer Energie und ihrem Tatendrang. In kurzer Zeit besorgen sie große Mengen Totholz, das sie durch den Wald schleppen. Teils zu dritt, wie Ameisen, besorgen sie Baumaterial. Uns fällt die gute Stimmung auf. Obwohl es Kinder sind, gibt es nicht den kleinsten Streit. Jeder und jede packt an, das gemeinsame Ziel vor Augen.
Wir fühlen uns zurück in der Zeit, als wir selber Kinder waren und im Wald gespielt hatten. Es gab keine Handys, und das Fernsehprogramm kannte nur drei Farb- und zwei Schwarzweiß-Programme.
Heute braucht niemand ein Handy. Niemand vermisst es. Wir schauen in strahlende Kinderaugen, die uns nun stolz ihr fertiges Waldsofa präsentieren.
Gemütlichkeit im Wald
Das Waldsofa ist quadratisch. Alle sitzen nun auf dem Sofa, dicht an dicht, und sind zufrieden. Stolz auf ihr in Windeseile gebautes Waldsofa, genießen sie nun die Pause sitzend. Nach der geleisteten Arbeit fordern die Kids ihre Kekspause ein. Es ist bei ihnen ein Ritual, dass es eine Kekspause gibt. Früher, so berichtet Monika, gab es Obst in der Pause. Im Laufe der Zeit hat sich das Obst in Kekse gewandelt. Der Griff in die Tüte voller Kekse ist für die Kids die Belohnung für ihre Arbeit, die sie genüsslich verdrücken.
Wir plaudern
Die Stimmung ist perfekt für ein lockeres Gespräch. Selbstverständlich wollen wir mehr über die Kellerwaldkids erfahren. Uns interessiert, was sie unternehmen und was ihnen am meisten Spaß macht. Die Kinder plaudern aus dem Nähkästchen.
Die Kids treffen sich normalerweise einmal im Monat, am ersten Samstag, für gemeinsame Aktionen. Vor allem in letzter Zeit trafen sie sich aber durchaus öfter. Es sind 15 bis 20 Kids im Alter zwischen sechs und zehn Jahren, die gemeinsam die Natur erkunden. Auch durch den Winter machen sie gemeinsame Aktionen. Die Kellerwaldkids halten keinen Winterschlaf. In der Bande sind nicht nur Kinder aus Hundsdorf, sondern viele aus der näheren Umgebung.

Das große Camp
Die Kids erzählen vom gemeinsamen Camp. Dies ist ein Highlight im Jahr und macht allen einen Riesenspaß. Letztes Jahr fand das Camp in Homberg statt. Die Kellerwaldkids arbeiten seit einiger Zeit zunehmend mit der Bergwacht-
jugend zusammen und planen für dieses Jahr ein gemeinsames Camp.
Die Metamorphose der Waldtiere
Alle Kids sind sich einig: Das Coolste war die Verwandlung in Waldtiere. Spielerisch verwandelten sie sich in unterschiedliche Waldtiere und mussten sich auch so verhalten. Klar, das macht Kindern Spaß, und wieder geht es darum, die Natur mit Spiel und Spaß näherzubringen, nicht mit Frontalunterricht. Spielerisch klappt das auch viel besser. Die Kellerwaldkids bekommen Natur zum Anfassen.
Von Ziegen, Imkern und leuchtenden Ballons
Die Kids besuchen einen Imker und einen Ziegenhof, um etwas über die Tiere zu lernen. Als wir in die Runde auf dem Sofa fragen, was ihnen am meisten Spaß macht, standen diese Besuche weit vorn.
Eine Woche zuvor trafen sich die Kids im Dunkeln, um in den Wald zu gehen. Das war eine spannende Aktion, und die Kids überschlugen sich förmlich, während sie erzählen. Lotte erzählt, wie cool es war, im Dunkeln Lieder zu singen. Es war ein emotionales Event für die Kinder, leuchtende Luftballons in der Nacht aufzublasen.
Natur erleben
Die Kellerwaldkids erleben die Natur in ihrem kleinen Wäldchen mit allen Sinnen. Monika Niemeyer hat ihr Revier als Försterin direkt nebenan. In diesem Gebiet schnitzen sie zusammen oder machen eine Kräutertour. Auf der grünen Tafel wird selbstgemachter Kräuterquark aus Wildkräutern gereicht. Dieses Jahr im April werden sie wieder Brennnesselchips machen. Theresa erzählt uns von der Hundeaktion im letzten Jahr. In Begleitung Erwachsener durchstreiften sie mit ihren Hunden den Wald unter dem Motto „Der Natur auf der Spur“.
Jonas gefiel vor allem der Karneval der Tiere. Die Kinder verwandelten sich in Tiere und tanzten, um Besuchern etwas aufzuführen. Um Tiere hautnah zu erleben, errichteten sie einen Käferkeller, oder eine Eidechsenburg.
Kleine Helfer
Die Kellerwaldkids leisten auch praktische Arbeit. So helfen sie beispielsweise in Oberurff, Krötenzäune an den Straßen instand zu halten. Sie helfen auch bei Pflanzaktionen im Wald. Wir sind gespannt, was die Kids dieses Jahr noch veranstalten werden. Betriebsam sind sie allemal.
Sternstunden
Uns freut, zu erfahren, dass die Kinder vom Rotary Club unterstützt werden. Außerdem haben sie im neu errichteten Forstmuseum ein Zuhause gefunden. Für uns ist sofort klar, dass die Kellerwaldkids eine unschätzbare Bereicherung unserer Gesellschaft sind. Die Nähe zur Natur, das soziale Engagement und die Freiheit, die diese Kinder genießen, sind von unschätzbarem Wert. Oft belächelt, erlebst du hier eine Sternstunde der Gesellschaft, die du nur in einer ländlichen Heimat findest.
edlake-Fazit:Das Waldsofa ist fertig. Gesellig sitzen Kinder und Betreuer auf dem neuen Möbel und genießen ihre wohlverdiente Kekspause. Die agilen Kids bleiben selbstverständlich nicht lange sitzen. Es ist ihre gesunde Natur, sich zu bewegen, und so stromern sie aufs Neue durch das kleine Wäldchen. Für uns ist es Zeit, sich zu verabschieden. Es ist berührend, zu sehen, wie glücklich die Kinder sind, wie ihre Augen leuchten. Sie brauchen nicht viel, sie genießen es, zusammen zu sein, frei zu sein und gemeinsam Pläne zu schmieden. Sie lieben es, sich dreckig zu machen, zu entdecken und zu bauen. Es gab nicht den kleinsten Streit, niemand war in dieser Zeit unzufrieden.
Trotz des verregneten Tages öffnete sich der Himmel, als wir losmarschierten, und die Sonne kam raus. Jetzt, wo wir am Schluss sind, zieht sich der Himmel wieder zu und es beginnt zu regnen. Als wäre die Sonne nur für uns aus den Wolken gebrochen.
KellerWaldKids
Verein für Forst- und Regionalgeschichte im Kellerwald
Forsthaus Hundsdorf
Löhlbacher Str. 14
34537 Bad Wildungen
kellerwaldkids@web.de





