Ein Stück vom Panoramaweg St. Muffert
Der Panoramaweg schlängelt sich durch den dichten Laubwald und gibt nur an einigen Stellen den Blick auf den Diemelsee frei.

Panoramaweg St. Muffert – Der schönste Umweg Nordhessens

Wenn man im englischsprachigen Ausland unterwegs ist, fährt man häufig an Schildern vorbei, auf denen „Scenic Route“ steht. Diese Strecken führen auch ans Ziel, machen dabei allerdings einen Umweg über die schönsten Orte und wichtigsten Spots der Gegend.

Warum ich das erzähle? Weil der „Panoramaweg“ am Diemelsee genau einer dieser wundervollen Umwege ist. Er fordert, besonders zu Beginn, Ausdauer und unterwegs auch immer wieder Geduld, denn er führt nicht direkt ans Ziel. Aber wenn man sich auf ihn eingelassen hat, entdeckt man auf seinen rund 10 Kilometern etwas ganz anderes – nämlich vollständige Entspannung.

Entschleunigung im Hang

Doch zurück zum Anfang, denn die entschleunigende Wirkung sollten wir bereits nach wenigen Metern auf den Strecken spüren. Wir waren am Wanderparkplatz Florenbicke gestartet und direkt – wie man so schön sagt – in den Hang eingestiegen. Das ist jetzt natürlich etwas übertrieben, aber ein bisschen Kondition verlangt einem der schmale Trail am Start definitiv ab. Nicht umsonst hat er auf der Website der Ferienregion Diemelsee den Schwierigkeitsgrad „mittelschwer“ erworben.

Rauschen und Knarzen der Bäume

Nach dieser ersten Kraftanstrengung öffnet sich allerdings der Weg und führt in einem sich windenden Auf und Ab durch die Buchenwälder. Dabei schlängelt sich der Weg noch eine ganze Weile oberhalb der Uferrandstraße entlang, die allerdings schon sehr bald weder zu hören noch zu sehen ist. Nur das eine oder andere Motorradgeräusch durchbricht das Rauschen der Blätter und das Knarzen der Bäume. In regelmäßigen Abständen finden sich auch Sitzgelegenheiten, die dazu einladen, dem Wald noch mehr Raum in den eigenen Gedanken zu geben.

Entschleunigt leben in der Natur am DIemelsee
Da muss man einfach das Handy zücken. Der Aussichtspunkt am St. Muffert ist nicht umsonst ein Sauerland-Seelenort.

Was sind die Sauerland-Seelenorte?

Es handelt sich dabei um ein spannendes Projekt, das durch die Sauerland-Wanderdörfer in Kooperation mit dem Autor Michael Gleich und den Einheimischen der Region umgesetzt wurde. Insgesamt sind so 42 Orte zusammengekommen, die für das stehen, was das Sauerland ausmacht. Es sind Orte der Begegnung, und des Innehaltens und der Naturverbundenheit. In liebevoller Kleinarbeit wurden diese Stätten literarisch und fotografisch aufgearbeitet und in sehr ansprechender Weise publiziert. Die Ferienregion Diemelsee kann vier dieser Orte ihr Eigen nennen, der Gipfel des St. Muffert und die Sperrmauer sind zwei davon.

Umweg mit hölzernem Steg

Der Weg führt über einen schmalen Holzsteg, der zu anderen Jahreszeiten einen kleinen Wasserlauf überbrückt. Er führt vorbei an Hinweisschildern, die uns den direkten Weg zu unserem ersten Ziel aufzeigen und die wir bewusst ignorieren, um hinter den nächsten Kurven mit einem Vorgeschmack auf den fantastischen Ausblick belohnt zu werden, der uns bei unserem ersten Wegpunkt erwartet.

Seelenort im Blättermeer

Einen weiteren Anstieg mit viel Gegenverkehr später ist es geschafft und der Pfad mündet in einen breiteren Weg, der einen stetig, aber sicher in Richtung Etappenziel führt: den Aussichtspunkt „St. Muffert“! Um ihn zu erreichen, laufen wir auf dem Plateau noch einmal einige 100 Meter zurück und erspähen dann im Blättermeer eine Holzhütte. Sicheren Schrittes schreiten wir dran vorbei, und noch bevor wir vollständig am Rand angekommen sind, verschlägt es uns einen kurzen Augenblick die Sprache.

Diesen Ausblick auf den Diemelsee gibt es so nur einmal: Wer schon einmal an der Rheinschleife bei Boppard gestanden hat, fühlt sich sofort daran erinnert. Seinen Rang und Titel als einer der 43 Sauerland-Seelenorte (siehe Kasten) hat der St. Muffert ohne Frage verdient.

Frau mit Steinturm im Wald rund um den Diemelsee
Sie sind schön anzusehen, aber auch Steine erfüllen in der Natur eine Funktion und sollten nicht zu Steinmännchen aufgeschichtet werden.
Schmale Pfade durch Jungwald

Wir genießen noch einige Minuten die Stille, die dieser Ort ausstrahlt, und als wir uns umdrehen, um zu gehen, kommen uns schon die nächsten Gipfelstürmer entgegen. Wir laufen noch ein paar Minuten schweigend nebeneinander her, doch dann kommt der nächste Anstieg, und hier weicht der Panoramaweg für einige 100 Meter vom regulären Weg ab und verläuft stattdessen über einen schmalen Pfad durch ein Stück jungen Buchenwalds. Ein schöner Streckenabschnitt, den auch die Mountainbiker in der Abfahrt zu schätzen wissen, wie die Reifenprofile in der getrockneten Erde zeigen.

Knorrige Zwerge und Baumriesen

Kaum haben wir dieses kleine Idyll verlassen, folgt der nächste grandiose Ausblick, und danach ein Szenenwechsel, denn hier erinnern die Vogelbeerbäume und Brombeersträucher eher an das raue Heideland der Sauerländer Hochebenen. Ein paar Minuten später befinden wir uns aber wieder im Wald, und dieses Mal begleiten uns neben den knorrigen Zwergen an den Hängen auch echte Baumriesen auf unserem Weg zum höchsten Punkt der Stadt Marsberg: dem Eisenberg.

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Gipfelstadt aus Steinen

Hier haben viele Wanderer ihren steinigen Gruß hinterlassen. Wir machen allerdings nur ein paar Fotos von dieser kleinen Stadt aus Türmen, denn zugunsten der Natur sollte man die Steine an ihren Ursprungsorten belassen.

Sperrmauer am flaschengrünen See

Von hier aus geht es nun bergab und wir steuern zielsicher unser nächstes Highlight an. Vom Aussichtspunkt Eisenberg blickt man nämlich über die Sperrmauer (ein weiterer Seelenort) hinweg auf das flaschengrüne Gewässer. Von hier wirkt der See gänzlich verändert, bietet aber einen ähnlich spannenden Blick wie vom St. Muffert. Auch hier verweilen wir kurz, bevor wir über eine schöne Mischung aus Wald- und Wiesenweg den Eisenberg und damit auch das Reich der Bäume hinter uns lassen.

Schleife durch die Felder

Vorbei an goldenen Stoppelfeldern führt uns der Weg schließlich an den nächsten Scheidepunkt, wo wir uns wieder aktiv entscheiden müssen, den direkten Weg rechts liegenzulassen und stattdessen auf die Wegeführung des Panoramaweges zu vertrauen. Und wir fühlen uns nicht verraten, denn nur wenige 100 Meter später haben wir nicht nur einen tollen Blick in Richtung Diemeltal, sondern uns lachen blühendes Heidekraut und reich gefüllte Himbeer- und Brombeerbüsche von den Rändern des Pfades an.

Nach einer kurzen Rast geht es vorbei an einem riesigen Maisfeld und mehreren Blühstreifen voller Sonnenblumen und anderer farbenfroher Blüten, bevor wir in einer Zwei-Punkt-Wende über 200 Meter unsere Richtung ändern und wieder Richtung Heringhausen wandern.

Eine Frau mit ihrem Kind im Feld
Wandeln auf bekannten Pfaden

Würden wir jetzt einfach weiterlaufen, hätte uns der Ferienort am Diemelsee in rund 20 Minuten zurück, doch wir entscheiden uns für einen weiteren Abstecher in eine andere Richtung und folgen nun für einige Zeit der PanoRadelTour, die wir euch in der letzten Ausgabe vorgestellt haben.

An der nächsten größeren Kreuzung scheiden wir allerdings schon wieder von der Radstrecke und erklimmen ein weiteres Mal eine Anhöhe, um im großen Bogen und durch ein weiteres Waldstück schließlich eine Bilderbuchaussicht auf den Nachbarort Rhenegge zu haben.

Rückkehr durch den Flickenteppich

Der Wiesenweg führt uns schließlich vorbei an einer Schutzhütte und im großen Bogen zurück auf den bunten Flickenteppich aus Feldern und Wiesen. Von hier aus leiten wir die letzte Etappe unseres Weges ein und folgen dem serpentinen-artigen Weg vorbei an Kuhweiden, Baumschonungen und Wäldern zurück ins Tal.

Kurz bevor wir Heringhausen endgültig betreten, machen wir noch einmal an einer Bank oberhalb des Ortes halt und genießen den Blick über die kleine Ortschaft im idyllischen Tal. Dann folgt ein letzter Abstieg, und bald befinden wir uns nur noch wenige Meter über See-Level.

Umwege für die Zukunft

Auf den letzten Metern kommen wir noch an der Diemelsteighütte mit angrenzendem Minigolf-Platz vorbei – das ist allerdings eine Detour für ein anderes Mal. Uns zieht es nun nach rund 10 Kilometern zurück zu unserem Auto, welches wir in nur wenigen Minuten erreicht haben.

Nach über drei Stunden bleiben die Autofenster erst mal unten, als wir uns entschließen, den letzten Umweg des Tages zu tätigen: einmal um den See und über die Sperrmauer – fürs gute Gefühl. Keine Sorge, lieber Diemelsee, wir kommen wieder!

Mehr Informationen zum Panoramaweg und anderen Routen rund um den Diemelsee findet ihr auf: diemelsee.de

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