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Wanderdachshund – Mit allen Sinnen

Wenn es um Reisen oder um die Freizeitgestaltung geht, ist die am häufigsten gestellte Frage: „Wo?“ oder „Wohin?“. Danach fragt man sich vielleicht „Was?“. Aber wie oft habt ihr euch schon gefragt: „Wie?“ Wie reist man? Wie verbringt man seine Freizeit? Und damit meine ich nicht, wie man von A nach B kommt, sondern „Wie erlebe ich oder wie empfinde ich das, was ich gerade tue?“, „Wie nehme ich alles wahr?“.

Macht eine kurze Übung und überlegt euch, welche eure eindrucksvollsten Urlaube waren, welche Freizeitbeschäftigungen euch fest im Gedächtnis geblieben sind. Ich wette, dass ihr euch am ehesten an etwas erinnert, was euch gut geschmeckt hat, oder an das angenehm kühle Wasser, das ihr auf der Haut gespürt habt, vielleicht an ein schönes Lied, das ihr in einem Café gehört habt.

Auch wenn das bedeutungslos erscheinen mag, eine eindrucksvolle Erinnerung ist für mich ein namenloser Parkplatz in Frankreich, einfach weil die Luft dort so gut gerochen hat. Natürlich werde ich mich an Mont-Saint-Michel erinnern. Wer kann so einen Ort vergessen, wenn man ihn einmal gesehen hat? Aber genauso gut werde ich mich an diesen Parkplatz erinnern, einfach, weil er mich auf mehreren Ebenen beeindruckt hat.

Wie ist es bei euch? Habt ihr euch an etwas erinnert, das euch sinnesmäßig beeindruckt hat? Denn genau darum geht es. Um die Sinne. Nicht umsonst haben wir fünf davon: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Mit deren Hilfe können wir ganzheitliche Erlebnisse haben. Wenn wir auf unsere Sinne achten, sind wir viel präsenter im Hier und Jetzt. Tatsächlich gibt es oft wenig Zeit zum Innehalten, um alles wahrzunehmen. Gerade in dieser Zeit der Beschleunigung wollen wir viele Orte sehen, viele Aktivitäten unternehmen, viele Dinge erleben. Wir wollen viele Menschen treffen, viele Erinnerungen sammeln und viele Bilder im Fotoalbum oder auf Instagram speichern. Oft ist Freizeit ein Rennen nach Eindrücken und Erlebnissen. Wie viel bleibt aber tatsächlich in unserer Erinnerung, sollte es kein Instagram und keine Fotobücher mehr geben?

Es wird gesagt, dass man tatsächlich lebt, wenn man mit allen Sinnen sein Leben wahrnimmt. Das ist keine neu erfundene Wissenschaft, sondern beruht auf dem alten und den meisten von uns bekannten Konzept der Achtsamkeit. Das bedeutet so viel wie den Augenblick auf sich wirken lassen, auf den Moment achten, nicht geistig in der Vergangenheit oder Zukunft verweilen. Diese Haltung hat viele Vorteile: sie erzeugt Ruhe, Gleichgewicht, Zufriedenheit, Lebensfreude und bessert die Konzentration, den Schlaf, den Allgemeinzustand sowie die Beziehung zu uns selbst und zu unserer Umwelt. Sowohl allgemein im Alltag als auch speziell in der Freizeit. Denn wenn man im Hier und Jetzt ist, erlebt man alles intensiver und die Erlebnisse prägen sich tiefer ins Gedächtnis ein. Dadurch entsteht ein Zusatzgewinn für Körper und Geist: Man nimmt viel mehr von dem Erlebnis mit, und somit hat man tatsächlich das Gefühl, eine erfüllte Freizeit genossen zu haben.

Das hört sich alles vielleicht leicht an – und das ist es auch. Man muss nur offen für alle Eindrücke sein, sie mit allen Sinnen wahrnehmen und genießen. Somit entsteht auch meine kleine Aufgabe für euch. Bei eurer nächsten Aktivität achtet auf alles: Wie sieht das aus, was für Geräusche und Gerüche nehmt ihr wahr, was spürt ihr auf der Haut, und natürlich, wenn ihr dabei auch noch was Leckeres esst, wie schmeckt es? Somit werdet ihr eine ganzheitliche Erfahrung haben, die ihr so schnell nicht vergessen werdet. Ihr könnt mir gerne davon berichten – ich habe nämlich für diesen Sommer auch vor, jedem Moment mit ganz großen Ohren, Augen und vor allem mit großem Herzen zu begegnen.

Viele Menschen entscheiden sich auch fürs gemeinsame Reisen, in der Gruppe oder zu zweit. Es gibt einerseits sachliche Aspekte, die hier eine Rolle spielen, wie Sicherheit, Kosten, Teilen der Planung. Andererseits ist es wohl bekannt, dass die Menschen soziale Wesen sind und gerne Erlebnisse, Emotionen und Gedanken teilen wollen. „Ohne Gefährten ist kein Glück erfreulich“, meinte auch der Philosoph Seneca. Außerdem benötigen große Abenteuer eine entsprechende Besatzung – wer kennt die Gefährten aus „Herr der Ringe“ nicht?

Manche Gefährten begleiten uns den ganzen Weg, manche nur Teile davon. Jeder aber bereichert uns das Leben in seiner Art und Weise. Manche Gefährten machen uns einfach das Leben schöner und bringen uns Freude. Manche lehren uns eine Lektion, ohne die wir sonst nicht weitergekommen wären. Manche haben ein menschliches Gesicht und können sprechen, andere haben vier Beine, dafür aber eine unendliche Treue. Jeder Gefährte ist wertvoll, und sein Beitrag an unsere Reise darf geschätzt werden.

In meinen Reisen wurde ich von vielen Gefährten begleitet. Auf meine zwei Menschen ist immer Verlass, was mir Freude und gleichzeitig Sicherheit gibt. Viele Jahre hatte ich meinen Bruder Dundi an meiner Seite. Manchmal so nah, dass ich ihm schon mal das Essen aus dem Mund gestohlen habe, aber das ist bei Geschwistern üblich, habe ich mir sagen lassen. Dafür habe ich ihm geholfen und den Weg gezeigt, den er aufgrund seiner Blindheit nicht sehen konnte. In den letzten Jahren habe ich die Heidi ins Herz geschlossen, die mich sehr geliebt hat. Es ist so schön, wenn jemand sich vom ganzen Herzen freut, wenn er oder sie dich sieht! Meine Kolumne hat sie auch immer gerne gelesen, was mir viel Selbstvertrauen und Mut gegeben hat. Ich bin sehr dankbar, dass sie mich einen Teil meiner Reise hier in Deutschland begleitet hat. Diese Kolumne kann sie jetzt aus dem Himmel nicht mehr lesen, trotzdem widme ich sie ihr, als Dankeschön für ihre warmherzige Freundschaft.

Am Ende, egal ob wir uns entscheiden, allein zu reisen oder in Begleitung, ob wir auf unseren Reisen Menschen treffen, die uns eine Zeitlang begleiten, sollten wir die Gefährten schätzen, die wir an unserer Seite haben, und dankbar für die sein, deren Weg sich von unserem getrennt hat.

Dem Wanderdachshund folgen

Ihr könnt mich gerne bei meinen Abenteuern am Edersee und in der weiten großen Welt bei Instagram begleiten: Wanderdachshund

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