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Krater, Gold und Ruhe – Mit dem Kanu die Eder hinunter.

Die Eder. Jeder im Landkreis kennt sie und ist in irgendeiner Weise mit ihr verbunden. Aber habt ihr sie schon mal so wirklich erlebt? Nein? Dann steigt ein. Denn heute nehmen wir euch mit auf eine Reise, die so vertraut scheint, von der ihr aber weniger nicht wissen könntet.

Die Sonne brennt vom Himmel; keine Wolke durchbricht das Blau. Es ist heiß an diesem Juninachmittag. Bis die Bäume einen Schatten werfen, der lang genug ist, dass er die ganze Eder überspannt, dauert es noch mindestens bis zur nächsten Flussbiegung. Vom Ufer winken immer wieder Radfahrer und Spaziergänger, die sich über das langsam vorbeiziehende Kanu freuen.

Auf Erlebnistour

Nur wenige Minuten zuvor wurde der kleine Kutter in Affoldern zu Wasser gelassen. Die Eder führt nach dem See genug Wasser, um unbekümmert paddeln zu können. Nachdem sie im Rothaargebirge in Siegen-Wittgenstein entspringt, liegt der Großteil ihres etwa 176 Kilometer langen Laufs hier nach dem Edersee schon hinter ihr. Ganze 478 Meter Höhenunterschied überwindet die Eder, bevor sie nach einem Zwischenstopp am Edersee später in die Fulda mündet.

In Affoldern mit dem Kanu in die Eder zu gleiten, war denkbar einfach. Mit Erlebnistouren Odenhardt zum Beispiel, einem lokalen Kanuverleih, der solche Touren schon seit 30 Jahren anbietet. Und das Ganze funktioniert so einfach wie routiniert und gut. Auf die Anmeldung per Telefon oder Internet folgen Teilzahlung und Streckenbeschreibung. Im Anschluss treffen sich Mieter und Verleiher am vereinbarten Treffpunkt. Nachdem das Boot vom Anhänger geladen, die Ausrüstung angelegt und die Einweisung erfolgt ist, kann es losgehen. Schnell noch die spätere Abholzeit vereinbart, und schon heißt es „Leinen los!“.

Über Untiefen

Das Boot schwimmt auf dem langsam und in fast schon meditativer Ruhe fließenden Wasser dahin. Vom regen Treiben am Edersee ist hier kaum noch etwas zu spüren. Entschleunigen und die saftig grüne Landschaft der Auenwälder mal aus einer ganz anderen Perspektive genießen. Das ist es, was das Bootfahren auf der Eder so besonders macht.

Doch stellenweise verbirgt die trügerische Ruhe einige Untiefen, die man so nicht erwarten würde. Gar mehrere Meter tief soll das Wasser zum Beispiel an einer ganz bestimmten Stelle in Hatzfeld sein. Dort auf dem oberen Teil der Eder ist das Bootfahren zwar nicht gestattet (erst nach Affoldern ist der Fluss freigegeben), doch die Geschichte um diese besondere Ecke ist eine Erzählung wert. Dem Hörensagen nach handelt es sich hier um einen alten Bombenkrater aus dem Zweiten Weltkrieg. Inwieweit das als bewiesen gelten kann, ist unklar. Plausibel ist es allemal. Im Winter 1944/45 hat die deutsche Wehrmacht, dort wo heute am Radweg ein Rastplatz ist und seinerzeit Gleise lagen, im Schutz der Bäume Sprengköpfe auf „V2-Raketen“ montiert. Unter dem Decknamen „Carmen“ sah diese Geheimoperation vor, die fertig bestückten V2 weiter in den Westerwald zu transportieren. Vermutlich im Zuge der Bombardierung Hatzfelds durch die Engländer am 28. März 1945, die die Ederbrücke zerstören sollte, haben sich ein paar der Bomben weiter oben in die Eder „verirrt“.

Drei Personen im kanu auf der Eder.
In die Riemen, Besatzung! Auf der Eder gilt es, so manchen Brückenpfeiler und vereinzelte Inseln zu umfahren.

Auf Kurs

Verirren ist für einen Kanukapitän auf dem Weg in Richtung Fritzlar nur schwer möglich. Ein paar gut gezielte Paddelschläge, und der Kahn bleibt auf Kurs. Langsam treibt der Fluss das Boot in Richtung Giflitz. Vorbei an den Ederauen, behutsam über die Schwärme aus kleinen und mittelgroßen Fischen gleitend. Camper und Zelte ragen steuerbord aus Campingplätzen hervor. Goldene Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Baumwipfel.

Auf Goldsuche

Apropos Gold. Immer wieder blickt man in die strahlenden Augen überschwänglicher Glücksritter, sobald das Thema „Edergold“ auf den Tisch kommt. Da werden schon die Siebe gepackt und die Hosenbeine hochgekrempelt, bevor klar ist, wo man überhaupt suchen muss. Wie man hört, findet man das edle Metall schon ab Röddenau bei Frankenberg, aber viel wahrscheinlicher unterhalb des Edersees, zwischen Affoldern und Fritzlar. Der Großteil des Goldes wurde nämlich über die von Korbach kommende Itter in die Eder gespült. Lange bevor eine Staumauer den Fluss durchzog.

edlake-Tipps für einen entspannten Bootstrip

Wenn ihr auf eigene Faust fahren wollt, dann nehmt euch doch ein Schlauchboot.
Was ihr hierfür dabeihaben solltet?

Das hier:

  • Schlauchboot, inkl. Paddel
  • Luftpumpe oder Kompressor
  • Sonnencreme, Kopfbedeckung
  • Proviant
  • Handtücher
  • wasserdichte Tasche
  • Schwimmweste, falls Nichtschwimmer mit an Bord sind
  • wasserfeste Handyhülle, damit das Abenteuer auch festgehalten werden kann
  • festes Schuhwerk, falls ihr doch mal das Boot verlassen müsst – der Edergrund kann felsig und spitz sein!

Mit Bedacht

Die Besatzung des Kanus hat von Bord aus leider keinen Goldschatz erspäht. Aber wie heißt es so schön, und auch wenn es bisweilen ziemlich inflationär verwendet wird: Der Weg ist das Gold. Pardon, das Ziel natürlich. Und damit auf dem Weg die Eder hinab alles nach Plan und unter Beachtung einiger wichtiger Regeln verläuft, geben Inhaber Nico Preuß und sein Team wertvolle Hinweise, was zum Beispiel im Falle eines Kenterns des Kanus zu beachten ist (oder um genau das zu vermeiden).

Dazu gehört beispielsweise, dass alle Insassen eines Kanus schwimmen können müssen und körperlich so fit sind, einige Zeit im Wasser auszuhalten. Unabhängig davon gilt an und auf der Eder zu jeder Zeit, Rücksicht auf Menschen, Tiere und Pflanzen zu nehmen. Denn die Eder ist ein Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Deshalb sind neben der Eder auch die Fulda und die Schwalm wegen ihrer besonderen Schönheit fast durchgängig Natur- oder Landschaftsschutzgebiet. Das „Qualitäts- und Umweltsiegel im Kanutourismus“ bürgt dafür, mit Odenhardt gut und verantwortungsbewusst auf der Eder aufgehoben zu sein.

In Ruhe

Immer wieder tauchen kleine Inseln in der Flussmitte auf. Zwischen Ufer und Eiland zerrt die Strömung (für Eder-Verhältnisse) am Boot und gibt die Kontrolle erst nach einigen Metern, auf ruhiger Wasseroberfläche wieder zurück. Eine komplette Bootsdrehung später treiben die Freizeitmatrosen dann erneut auf friedlichem Fahrwasser dahin. Bis zur nächsten Sohlgleite, wo fahrerisches Können gefragt ist. Oder alternativ halt Muskelkraft. Für die maritimen Neulinge an dieser Stelle: Bei einer Sohlgleite handelt es sich um eine naturnah gebaute Fischaufstiegsanlage, die zum Beispiel mit Störsteinen versehen ist.

Auf der zeitweise fast zum Stillstand kommenden Eder, die neben weiten Wiesen unhörbar durch das Tal fließt, findet sich ausreichend Ruhe, um im Dickicht des Ufers hin und wieder einige Wildpfade zu entdecken oder unter dicken Ästen entlangzugleiten und sich vom Blätterwerk das hoffentlich noch nicht vom Sonnenbrand gezeichnete Haupt streicheln zu lassen.

WICHTIG!

Informiert euch im Vorfeld über die geplante Strecke, wo ihr am besten fahren könnt und dürft, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen. Achtet darauf: Erst ab Affoldern ist das Fahren erlaubt.

Und denkt daran:

  • Das Ufer nur an den vorgesehenen Ein- und Ausstiegsstellen betreten.
  • Ausschließlich in der Mitte des Flusses und nicht auf Kiesbänke fahren.
  • Ruhig verhalten und keinen Müll hinterlassen.

Auf eigene Faust

Wem das bisher alles entweder zu viel Aufwand oder zu unbequem ist, dem bietet die Eder noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, auf ihr zu schippern. Den Edersee beispielsweise. Auf seinen 27 Kilometern Länge sind Bootsfahrten aller Couleur machbar. Vom Standup-Paddle-Board über Segelboote bis hin zu Fährdampfern.

Der Tipp des Autors an dieser Stelle: individuelle Erkundung. Da die Eder ab Affoldern für den privaten Seebär freigegeben ist, bietet sich auch eine Fahrt mit dem eigenen Schlauchboot an. Start, Dauer, Mitfahrer, Pausen und Ziel liegen hier einzig und allein im Ermessen des Paddelführers. Was ihr dazu alles braucht, steht im edlake-Tipp weiter oben.

Zu neuen Ufern

Unsere Bootstour neigt sich dem Ende entgegen. Gute vier Stunden waren wir unterwegs. Möglich sind auch Mehrtages-Touren. Wie vereinbart, treffen wir die Mitarbeiter von Odenhardt am Zielort. Noch kurz die Boote gereinigt, bevor sie auf den Anhänger geladen werden, und anschließend geht es zurück zum Startpunkt. Und alles, was es für das Abenteuer brauchte, war ein kleines Boot und ein bisschen Mut, zu neuen Ufern aufzubrechen.

edlake-Tipp

Es soll doch die hier beschriebene Kanutour sein? Dann schaut doch mal hier.

Es gibt mehrere Anbieter:
www.eder-kanu.de
www.edertal-kanu.de

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