Bei Niedrigwasser können die Ruinen des ehemaligen Ortes heute noch besichtigt werden. Fotos: Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich e.V. und David Heise/edlake
Bei Niedrigwasser können die Ruinen des ehemaligen Ortes heute noch besichtigt werden. Fotos: Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich e.V. und David Heise/edlake

Ein letztes Bier zum Abschied – Dorfstelle Berich

„Keinen Menschen ließen sie zurück, aber ihre Heimat und ihre Toten.“ Mit diesen Worten erinnerte sich ein Bewohner des Ortes Nieder-Werbe an den Tag, an dem die Bericher ihr Zuhause im Edertal verließen.

Heute liegen die Grundmauern dieses Ortes die meiste Zeit des Jahres unter Wasser. Mit dem Bau der Sperrmauer war die Umsiedlung der beiden waldeckischen Dörfer Berich, Bringhausen und des preußischen Asel nötig geworden. Und während sich viele der über 900 Menschen oberhalb des neuentstehenden Stausees ansiedelten, zeichnete sich ab, dass mehr Raum benötigt werden würde.

Fündig wurde man in der näheren Umgebung des über 20 km entfernten Arolsen. Hier plante und baute man eine Siedlung im fränkischen Stil, die im Jahr 1912 das Zuhause für acht Familien aus Berich und neun Familien aus Bringhausen werden sollte.

Die Bewohner des alten Berich tranken noch ein letztes Bier im Gasthaus Höhle, bevor sie ihr Dorf den Fluten übergaben.
Die Bewohner des alten Berich tranken noch ein letztes Bier im Gasthaus Höhle, bevor sie ihr Dorf den Fluten übergaben.

Und auch wenn man hier neu anfing, nicht alles blieb im heimischen Edertal: So entschied man sich, die geschichtsträchtige Klosterkirche am alten Standort abzubauen und in leicht reduzierter Form in Neu-Berich erneut zu errichten. Türen, Fenster, Orgel und Altar wurden – genauso wie das eigene Hab und Gut – mit Pferde- und Ochsengespannen an die neue Dorfstelle befördert.

Ein Zeugnis dieser Zeit ist auch das hier abgedruckte Bild, welches die Bewohner Berichs vor dem ehemaligen Hof und Gasthaus Höhle zeigt. Mit gepackten Wagen, die Pferde und Ochsen schon angespannt, trank man ein letztes Bier in der alten Heimat, bevor man schweren Herzens an anderer Stelle in eine neue Zukunft aufbrach.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Wie es hier wohl früher aussah … die Frage bleibt häufig unbeantwortet, wenn man sich durch die zurückgebliebenen Zeugnisse längst vergangener Zeiten bewegt. Der Förderverein zum Erhalt der Dorfstelle Berich e.V. hat für diesen recht unbefriedigenden Zustand eine wirklich tolle Lösung aus dem Hut gezaubert.

Bei Niedrigwasser können die Ruinen des ehemaligen Ortes heute noch besichtigt werden.

 

Die Edersee-Atlantis-App

Mit der Edersee-Atlantis-App haben Besucher die Möglichkeit, in die Welt des alten Berich einzutauchen und mit Hilfe moderner Technik – der sogenannten Augmented Reality (kurz: AR) – auf den Pfaden der ehemaligen Bewohner zu wandeln. Einmal runtergeladen, informiert die App nicht nur über die verschiedenen Ortsstellen, sondern sie lässt auch das eigene Handy zu einem Fenster der Vergangenheit werden. Haltet Ausschau nach den orange Schildern vor Ort, scannt den abgedruckten Code und seht dabei zu, wie sich die alten Gemäuer vor euren Augen aufrichten.

Die versunkenen Orte

Die Dorfstelle Berich markiert nur einen der insgesamt acht Orte, die unter dem Namen „Edersee-Atlantis“ zusammengefasst werden. Welche dieser Orte im Herbst aus den Tiefen des Sees auferstehen, ist abhängig vom Wasserstand und ihrer Lage. Generell gilt, je weiter die Orte von der Sperrmauer in Waldeck entfernt sind, umso wahrscheinlicher tauchen sie aus den Fluten des Edersees auf. Die Dorfstelle Asel mit den Überresten der ehemaligen Ederbrücke ist deshalb vergleichsweise häufig zu sehen.

edlake Tipp

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Ladet die Edersee-Atlantis-App bereits zu Hause herunter. So erfahrt ihr dank der virtuellen Wasserstandsanzeige auf einen Blick, ob und welche Bereiche des alten Berich trockenen Fußes zu erreichen sind.

Die App ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Ihr erhaltet sie über den QR-Code oder diesen Link (hier klicken).

Edersee-Atlantis App Symbolbild

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