DLRG – Leben, um Leben zu retten

Aus Hemfurth startend, fahren wir auf der berühmten Edersee-Randstraße entlang bis Waldeck. Hier liegt die DLRG-Station, die wir für dich erkunden möchten. Die Randstraße vermittelt schnell einen anspruchsvollen Eindruck. Immer wieder kommt es zu waghalsigen Überholmanövern, und auch die zahlreichen Touristen an der Edertalsperre vermitteln das Gefühl, Rettungskräfte zu beschäftigen.

Die DLRG ist am Edersee mit drei Stationen vertreten. Sie sorgen für deine Sicherheit, wenn du im See badest, mit dem Boot rausfährst, oder anderen Wassersport betreibst. Aber auch außerhalb des Wassers helfen die knallrot gekleideten Lebensretter, wann immer es nötig ist. Hand aufs Herz, was weißt du eigentlich über die DLRG? Wir wollten mehr über ihre Arbeit wissen und besuchten sie in der Station Waldeck.

Die DLRG-Station Waldeck ist in erster Linie eine Ausbildungsstelle. Nebenbei ist sie eine komplett ausgestattete Wache. In erster Linie finden hier etliche Lehrgänge des Landesverbands statt. Es sind vorrangig Lehrgänge als Funker, Bootsführer oder Taucher. Wir treffen uns mit Jochen Endler, dem Ausbildungsleiter. Durch seine lässig-freundliche Art kommen wir sofort ins Gespräch.

Das Haus am See

Das Gebäude hat einen überwältigenden Logenplatz am See. Von hier aus überblickst du weite Teile der Wasserfläche und hast somit Gefahren im Blick. Das von der Straße erkennbare Haus wirkt klein, offenbart jedoch seine wahre Größe erst, wenn du von unten davor stehst. Hier findest du Unterkünfte für 20 Leute. Die Station scheint wie gemacht für die Ausbildung, nicht zuletzt aufgrund der großartigen Lage direkt am Edersee.

Die Station in Waldeck existiert seit den 1950er Jahren. In den 1980er Jahren erweiterte die Gliederung das Gebäude, um heute eine stattliche Basis für die Mitglieder und Gäste zu unterhalten.

Hut ab!

Jochen klärt uns auf, dass die DLRG zu einhundert Prozent auf ehrenamtliche Mitglieder angewiesen ist. Selbst der Verbandspräsident leistet ehrenamtliche Arbeit. In der Tat ist sie die größte rein ehrenamtliche Organisation Deutschlands. Sie ist teilweise Bestandteil des Katastrophenschutzes und unersetzliches Glied der Rettungsorganisationen. Die DLRG organisiert sich in Gliederungen. Waldeck ist keine eigene Gliederung, vielmehr eine Außenstelle des Landesverbands. Die Station Vöhl / Fürstenberg ist dagegen eine eigene Gliederung. Die Station am Rehbach wird von der Gliederung Fritzlar betreut.

Obwohl die DLRG ohne hauptamtliche Mitglieder auskommt, ist die Station in Waldeck an den Wochenenden stets von der Stammmannschaft besetzt. In den Sommerferien sowie eine Woche vor und nach den Ferien ist sie rund um die Uhr besetzt.

Ausgebildete Taucher und Bootsführer stehen mit ihrer Fachkompetenz zur Seite, um in einem Notfall sofort zu helfen.

Blick auf dem See. ©David Heise
Der Logenplatz am See dient einem wichtigen Zweck: Mit geschultem Blick Gefahren blitzschnell zu erkennen und zu handeln.
Ein Wasserfrosch geht auch mal an Land

Sicher kennst du die DLRG als Rettungsorganisation auf dem Wasser, aber sie rücken gegebenenfalls zu Landeinsätzen aus. Als Ersthelfer alarmiert sie die Leitstelle häufig bei medizinischen Notfällen als First Responder. Andere Rettungsorganisationen fahren oft weite Strecken bis zum Einsatzort in der Region Waldeck. Glücklicherweise können die Ersthelfer der DLRG helfen und Leben retten.

Schnelle Wege

Der große Vorteil der DLRG ist der Wasserweg. Mit den Rettungsbooten sind die Lebensretter innerhalb von Minuten am Einsatzort: an der Sperrmauer, an jedweden Steilhängen oder an unzugänglichen Uferregionen. Sie hatten mehrere Einsätze, bei denen die Bergwacht oder das Rote Kreuz verletzte Personen an ufernahen Abhängen abseilen mussten. Dank der DLRG wurden sie dann per Rettungsboot schnellstmöglich versorgt. Du siehst: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen ist bestens organisiert für deine Sicherheit am See. Leider gilt der Sicherheitsaspekt nur bei Vollstau oder hohem Wasserpegel. Im desaströsen Sommer 2025 erreichen die Boote nur Bringhausen oder die Kahle Hardt. Weiter Richtung Herzhausen ist der Wasserweg abgeschnitten.

Vollgas zum Praxistest

Selbstverständlich möchten wir uns von der Geschwindigkeit überzeugen. Kurzerhand lädt uns Jochen zu einer kurzen Spritztour auf dem See ein. Das Einsatzboot ist ad hoc einsatzbereit. Wir fahren Richtung Sperrmauer und erreichen diese tatsächlich innerhalb weniger Minuten. Trotz aller Betriebsam-keit genießen wir den Fahrtwind und die Geschwindigkeit des Bootes. Es fühlt sich an, als würden wir fliegen.

Innehalten

Jochen erinnert sich an einen emotionsreichen Einsatz in diesem Sommer. Mit Beginn der Sommerferien fand vor Ort ein Triathlon statt. Freitags besetzten sie die Station, als auch schon das Telefon schellte. Es war die Rettungsleitstelle. Sofort eilten Jochen und die anderen Helfer zu einer Reanimation mittels eines AED-Defibrillators. Kurz danach trafen Rettungswagen und Rettungshubschrauber am Einsatzort ein. Der Patient wurde ins Klinikum Kassel gebracht und überlebte den Einsatz. Solche Ereignisse ermutigen Jochen und die anderen Helfer, weiterzumachen. Natürlich verlaufen nicht alle Einsätze derart positiv. Immer wieder kommt es leider auch zu erfolglosen Einsätzen, womit die Helfer klarkommen müssen.

Kontakt-Info

DLRG Landesverband Hessen e.V.
Uferstr. 2a
65203 Wiesbaden
Tel. 0611 65501
info@hessen.dlrg.de
www.hessen.dlrg.de

Auf der Brücke

Jochen führt uns ins Obergeschoss der Station. Wir betreten die Einsatzzentrale und sind entzückt vom herrlichen Blick über den See. Fernab jeder Idylle dient dieser Ausblick natürlich der Überwachung des Sees. Funkzentrale und Telefonstation sorgen für die Einsatzbereitschaft. In diesem Raum koordinieren die Helfer ihre Einsätze.

Der lange Weg zum ausgebildeten Retter

Die Lebensretter brauchen auf jeden Fall eine fundierte Ausbildung. Grundlage ist der Rettungsschwimmschein Silber, ein Erste-Hilfe-Schein und eine Funkunterweisung. Es folgt eine Fachausbildung im Wasser-Rettungsdienst. Dies ist die Basisausbildung. Sie besteht dann noch aus verschiedenen Modulen, wonach du dir deinen Werdegang aussuchst. Beispielsweise wirst du Taucher, Funker oder Bootsführer. Du kannst selbstverständlich mehrere dieser Ausbildungen wählen. Die DLRG bildet außerdem Ersthelfer und Rettungssanitäter aus.

In der Station in Waldeck sind zwei Notfallsanitäter und ein Rettungssanitäter vor Ort, um für deine Sicherheit zu sorgen.

Die DLRG bietet auch Schwimmkurse an. Sie bilden Nichtschwimmer zu Schwimmern aus und Schwimmer zu Rettungsschwimmern. Aus der Coronazeit haben sie immer noch einen Rückstau. Doch nicht nur die Gliederungen der DLRG nutzen die angebotenen Lehrgänge und Schulungen. Feuerwehren, Bereitschaftspolizei und andere Hilfsorganisationen besuchen die Schulungsstätte in Waldeck für Taucherlehrgänge und andere Schulungen.

Es war einmal

Irgendwann war immer ein Anfang, eine Idee oder eine Notwendigkeit. In Bins auf Rügen ereignete sich 1912 ein Unglück, bei dem eine Seebrücke zusammenbrach und zahlreiche Menschen ertranken. Aus diesem Anlass gründete sich die DLRG. In Hessen gründete sie sich 1925. In diesem Jahr feiern die Helfer deshalb 100 Jahre DLRG Hessen.

Die Rettungstaucher der DLRG im Wasser. ©David Heise
Stets bereit – Die Rettungstaucher sorgen auch bei schwierigen Situationen für deine Sicherheit. Hier starten sie zu einem Übungstauchgang an einem alten Autowrack.
Der Anfang bei den JETies

Die DLRG betreibt aktive Jugendarbeit, ähnlich wie die Feuerwehren oder andere Hilfsorganisationen. Die Kinder und Jugendlichen nehmen an Wettbewerben teil. Allerdings geht es weniger um Leistungsschwimmen. Der Rettungseinsatz steht immer im Vordergrund. JET bedeutet übrigens „Jugendeinsatzteam“. In diesem Team bleiben Jugendliche, bis sie 15 Jahre alt sind. Ab 16 gehen sie dann schon zum Wasserrettungsdienst. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen bereits Lehrgänge und Schulungen besuchen, damit sie mit 16 Jahren bereits ausgebildete Rettungsschwimmer sind.

Unvermittelt greift Jochen zum Fernglas und stellt zeitgleich die Frage: „Ist das ein Board, oder ein gekentertes Kanu?“ Jochen hat eben immer einen prüfenden Blick aufs Wasser.

Ein aktuelles Thema ist, wie bei allen ehrenamtlichen Organisationen, der Nachwuchs. Jochen erklärt uns, dass es in seinem Heimatverband keine Probleme gibt, aber im Alter zwischen 14 und 16 Jahren brechen dann doch viele Mitglieder weg. Später, mit 18 oder 19 Jahren, gibt es das Problem wieder, wenn die Schule gemeistert wurde und die Jugendlichen ins Arbeitsleben oder ins Studium wechseln.

Protagonisten

Natürlich steht die Frage nach der Finanzierung im Raum. In erster Linie finanzieren Mitgliedsbeiträge die Organisation. Beiträge, die eine Gliederung erhält, werden aufgeteilt: Ein Prozentsatz geht an den Bezirk, der wiederum etwas an den Landesverband und zuletzt an den Bundesverband abgeben muss. Einen großen Teil der Unterstützung erhält die DLRG von Menschen, denen sie in der Vergangenheit halfen, oder aus privaten Spenden. Kommunen, Kreis und Land unterstützen mit Zuschüssen.

Flächendeckendes Engagement

Die DLRG ist flächendeckend in Deutschland vertreten, nicht nur an den Wasserflächen. Gerade im Ruhrgebiet findest du große Gliederungen. Die DLRG ist weltweit die größte Organisation dieser Art.

Ehrgeiz und Ehrenamt

Die DLRG ist komplett ehrenamtlich aufgestellt, sodass sie nicht verpflichtet ist, die Station zu besetzen. Es gibt keinen gesetzlichen Auftrag. Es ist das selbstlose Engagement der Helfer wie derjenigen um Jochen, die so oft wie irgend möglich, die Station einsatzbereit halten. Aus freien Stücken wachen sie über die Sicherheit von Touristen, Bürgern und Anwohnern. Sei es die Segelschule oder die Personenschifffahrt, irgendwo kann immer etwas passieren, und Menschen können auf dem Wasser in Not geraten. Wir sind dankbar und berührt von diesem Engagement, Leben zu retten. Schnell kann jeder, auch du, unvermittelt in eine Notsituation im und auf dem Wasser geraten. Zum Glück gibt es die DLRG! 

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