Page 28 - edlake – Das Erlebnis-Magazin für die Ferienregion im Herzen Deutschlands
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   Korbach-Frankenberg nämlich re- aktiviert. Unter anderem mit fünf neu errichteten Zwischenstationen. Im Jahr 1987 hatte der Siegeszug der Eisenbahn eine kurze Pause eingelegt und viele Bahnstrecken im oberen Edertal wur- den stillgelegt, zurückgebaut und den Geschichtsbüchern überlassen. Glück- licherweise hat man sich eines Besseren besonnen. Mittlerweile verfügen alle Bahnstationen entlang der Strecke über eine Park- und Rast-Anlage sowie Fahr- radstellplätze. Jeder kann also völlig fle- xibel und nach Lust und Laune zusteigen, einen beliebigen Teil der Strecke fahren und die Ferienregion genießen.
Vor dem Fenster zieht der Winter vorbei
Schon kurz nach Herzhausen beginnt sich die Strecke deutlich zu verändern. Es geht bergauf. Eine leichte Schnee- decke überzieht die Landschaft, und unser Zug quert die nebelbehangenen Berge. Nicht mehr lange, dann erreichen wir die Hansestadt Korbach. Von hier aus haben wir alle Möglichkeiten, unsere
Reise abwechslungsreich zu gestalten. Ein Bummel durch die Korbacher Altstadt? Vom 2018 anlässlich des Hessentages um- gebauten Bahnhof ist es nur ein Katzen- sprung bis zur Einkaufspassage. Oder vielleicht weiter bis nach Kassel, den Her- kules besichtigen und anschließend den ICE-Bahnhof der Stadt als Sprungbrett in den Rest der Republik nutzen? Die Vielfalt lässt uns kurz schwanken, doch unsere Entscheidung steht fest. Wir fahren weiter nach Brilon. Auch, weil es gerade erst an- fängt, im Abteil gemütlich zu werden.
Der vorbeiziehende Winter da draußen, er bekräftigt uns Höhenmeter um Höhen- meter in unserer Idee, den Landkreis
mal mit dem Zug zu erleben. Die Schnee- decke wird deutlich dicker, je weiter
wir uns von Korbach entfernen. Nicht auszudenken, man müsste jetzt mit dem Auto, hochkonzentriert, angespannt und ausschließlich mit Blick auf die Straße, hier entlangfahren. Stattdessen
sitzen wir hier im gemütlich warmen Ab- teil. Ein kurzer Smalltalk mit dem freund- lichen Zugbegleiter über Sinn und Zweck unserer Reise. Die Blicke schweifen
über die Sitzreihen, hinaus zum Fenster auf die vorbeiziehende, sich ständig wandelnde Landschaft. Wie ein kleiner Abriss aus dem Erdkundeunterricht.
Büro mit Aussicht
Nach einem kurzen Imbiss mit Kaffee aus der Thermoskanne am Tisch unseres Abteils erörtern wir die bisherigen Ein- drücke unserer Fahrt sowie die Vor- und Nachteile des Zugfahrens im Allgemei- nen. Ganz klarer Sieger der Debatte: Wer einen ruhigen Platz sucht, um in der ak- tuellen Ausgabe von „edlake“ zu schmö- kern, der wird ihn in der Kurhessenbahn finden. Andere Fahrgäste nutzen die Zeit zum Arbeiten; Laptop auf dem Tisch und Headset auf dem Kopf. Mit dem Pan- orama, das ein Waggonfenster bietet, kann wohl nur selten ein Großraumbüro mithalten.
Ein U-Boot im Upland?
Teilweise ist durch den dichten Nebel kaum etwas von den Bergen und Tälern des auslaufenden Rothaargebirges zu erkennen. Vereinzelt blitzen mit Schnee bedeckte Wirtschaftswege aus dem Dunkel des Waldes hervor. Wir passieren Usseln. Irgendwann lichten sich auch die letzten Nebelschwaden und geben den Blick wieder frei. In einiger Entfernung erspähen wir mehrere alte Flugzeuge. Abgestellt vor einer Halle mit dem deut- lich lesbaren Namen „Curioseum“. Wen dieser Name noch nicht neugierig ge- macht hat, den dann sicher das kuriose Gefährt, das zumindest für uns und in der Vorbeifahrt wie ein ausrangiertes U-Boot aussieht. Wann und warum das
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edlake – das Erlebnismagazin für die Ferienregion im Herzen Deutschlands | Winter 2022
Die Fußgängerzonen liegen – wie hier in
Korbach – oft nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Wie lange der Aufenthalt dauern soll, liegt im Ermessen der Reisenden. Warum nicht mal über Nacht bleiben und die Entdeckungstour erst am nächsten Tag fortsetzen?


















































































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