Ein Nachmittag auf dem Auerhahnshof

Wir durften für einen Nachmittag zu Gast bei Daniela und Jens Munzert auf dem Auerhahnshof in Diemelstadt-Neudorf sein – einem Ort, der nicht nur wunderschön gelegen ist, sondern auch eine besondere Geschichte erzählt. Genauer gesagt: eine Geschichte von Leidenschaft, Mut zur Veränderung und der Rückbesinnung auf eine fast vergessene Handwerkskunst – die Wollverarbeitung.

Ein Hof mit Geschichte – und Herzblut

Daniela und Jens wohnen nun seit über zehn Jahren mit ihren drei Kindern – Luca-Sophie, Joshua und Carla – auf dem Auerhahnshof. Der charmante alte Bauernhof hatte sie schon länger beim Spazierengehen in Neudorf begleitet.
Irgendwann stand er dann tatsächlich zum Verkauf – in keinem guten Zustand, aber mit viel Potenzial. Und wie es der Zufall (oder das Schicksal?) so wollte, bekam die junge Familie den Zuschlag.

Jens, Bauingenieur und in einem Architekturbüro tätig, und Daniela, gelernte Krankenschwester, krempelten die Ärmel hoch. Sie wollten den Hof nicht einfach nur bewohnbar machen, sondern ihn so sanieren, wie er ursprünglich vor über 100 Jahren einmal war – mit Respekt für das Alte und einem Gespür für Details. Zehn Jahre, unzählige Arbeitsstunden und eine große Portion Herzblut später erstrahlt der Auerhahnshof heute in neuem (alten) Glanz.

Von der Krankenschwester zur Wollverarbeiterin

Daniela hat nach der Elternzeit eine mutige Entscheidung getroffen: Sie hat ihren Beruf als Krankenschwester an den Nagel gehängt. Irgendwas mit Garten oder Tieren sollte es werden. Dass sich ihr Weg schließlich mit einer Herde Alpakas kreuzen würde, hätte sie damals wohl selbst nicht gedacht.

Die Begeisterung für diese besonderen Tiere begann, als die Kinder noch klein waren. Immer wieder besuchte Daniela mit ihnen Alpakas in Bontkirchen. Doch so richtig gepackt hat es die Familie dann im Urlaub in der Steiermark. Dort lebten sie zwei Wochen lang auf einem Lama- und Alpakahof – mit allem, was dazugehört: Stallarbeit, Spaziergänge mit den Tieren und – ganz entscheidend – der Schur.

Als Daniela dort zum ersten Mal mit dem hochwertigen Alpakavlies in Berührung kam und der Bäuerin beim Sortieren helfen durfte, war es um sie geschehen. Die feine, warme, natürliche Wolle ließ sie nicht mehr los. Und der Gedanke, selbst einmal mit solchen Tieren zu leben, war plötzlich ganz nah.

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Wenn ihr mehr über Daniela, ihre Alpakas und die Wollverarbeitung erfahren möchtet, solltet ihr unbedingt mal auf dem märchenhaft schönen Auerhahnshof vorbeischauen. Der Hofladen ist ein echter Geheimtipp – und vielleicht entdeckt ihr dort auch die Lust aufs eigene Stricken, Häkeln, Spinnen oder einfach aufs bewusste Kaufen.
Denn eines steht fest: Wolle ist nicht gleich Wolle. Und manchmal steckt in einem einzigen Knäuel eine ganze Geschichte. Die von Daniela Munzert zum Beispiel.

Ein Traum wird Wirklichkeit

Zurück in Neudorf, machte sich die Familie direkt an die Arbeit: Eine Weide am Grundstück musste her, das Areal eingezäunt und ein Unterstand gebaut werden. Das bedeutete wieder viele Stunden Eigenleistung, aber auch Vorfreude. Schließlich zogen fünf Alpakas vom Schwarzwald auf den Auerhahnshof. Heute sind sie feste Familienmitglieder – und Lieferanten eines ganz besonderen Rohstoffs.

Einmal im Jahr ist Schur-Zeit – ein Ereignis, das Daniela mittlerweile routiniert selbst übernimmt. Aus den frisch gewonnenen Fasern entsteht dann, Schritt für Schritt, handverarbeitete Wolle. Der Startschuss fiel damals übrigens im Heimatmuseum Marsberg: Dort lernte Daniela das Spinnen. Eine Woche später tauchte sie bereits mit eigenem Spinnrad bei der Spinngruppe auf – und war nicht mehr zu bremsen.

Wolle mit Herkunft und Geschichte

Was Daniela macht, ist mehr als ein Hobby – es ist Handwerk. Und das auf einem Niveau, das man heute nur noch selten findet. Neben der eigenen Alpakawolle verarbeitet sie inzwischen auch Schafwolle aus der Region – ein anderer, aber ebenso wertvoller Rohstoff.
Doch der Weg von der Rohwolle zum fertigen Garn ist lang. Nach der Schur wird die Wolle gewaschen, sortiert und gekämmt. Dafür nutzt Daniela mittlerweile eine ganze Reihe an Maschinen: Für die schonende und energiesparende Wollwäsche kommt eine spezielle Industriewaschmaschine zum Einsatz. In der Werkstatt nutzt Daniela einen Picker zum Öffnen/Auflockern der Fasern, einen Separator, der die Wolle von Grannenhaaren und Verunreinigungen befreit und einen Krempler, der die Wollfasern in eine Richtung kämmt und zum Vliesbelag aufwickelt. Im nächsten Schritt wird der Vliesbelagzum Kardenband gezogen.

Trotz all dieser Technik bleibt vieles Handarbeit – und Herzarbeit. Daniela erklärt uns, dass beim Waschen und Sortieren noch viel Material verloren geht. 50% bis 70% der ursprünglichen Menge, je nach Tierart und Rasse sind am Ende nutzbar, dass sind bei Daniela an die 250 bis 300 kg im Jahr. Umso kostbarer ist das, was daraus entsteht.

Ein Hofladen voller Schätze

Wenn ihr den Auerhahnshof besucht, könnt ihr Danielas Werke nicht nur bestaunen, sondern auch kaufen. In ihrem liebevoll eingerichteten Hofladen im Wohnhaus gibt es handgesponnene Garne, ungesponnene Vliese und allerlei Produkte rund um Alpaka und Schaf. Alles stammt aus eigener oder regionaler Herstellung – und das merkt man.

Hier steht nicht der schnelle Verkauf im Vordergrund, sondern die Geschichte hinter dem Produkt. Woher kommt die Wolle? Wie wurde sie verarbeitet? Und wer hat sie gemacht? Fragen, die man sich heute wieder öfter stellt – zum Glück.

Denn in einer Zeit, in der Fast Fashion und anonyme Massenware dominieren, ist es ein echtes Geschenk, dass Menschen wie Daniela Munzert sich für Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit einsetzen.

Mehr als nur ein Trend

Danielas Arbeit ist Teil einer kleinen, aber wachsenden Bewegung: der bewusste Umgang mit Rohstoffen, die Rückkehr zum Handwerk und das Wertschätzen von Dingen, die Zeit brauchen. Es geht nicht nur darum, Wolle zu verarbeiten, sondern auch darum, etwas zu bewahren – Wissen, Technik, ein Lebensgefühl. Uns hat der Nachmittag auf dem Auer-hahnshof gezeigt, wie schön es sein kann, wenn aus einer Idee eine echte Leidenschaft wird und diese Früchte trägt. Und wie viel Kraft in solchen Träumen steckt – nicht nur für die Familie Munzert, sondern auch für uns alle, die wir manchmal vergessen haben, woher unsere Kleidung eigentlich kommt. 

Öffnungszeiten auf dem Auerhahnshof

Werkstatt
Montag, Dienstag und Donnerstag von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr

Hofladen
Freitag, 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Am vierten Samstag im Monat
Von 10:00 Uhr bis 12:30 Uhr mit Möglichkeit zur Werkstatt-Besichtigung, parallel dazu Spinn- und Stricktreffen in Garten, Scheune oder Stube.
Ausgenommen sind Feiertage, Winterferien und Urlaub!

Kontakt
Auerhahnshof – Die Wollmühle im Waldecker Land
Daniela Munzert
Auerhahnsberg 2
34474 Diemelstadt
info@auerhahnshof.de
www.auerhahnshof.de

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